die andere Musik

 
Longsellers und Geheimtipps << B >>    
 
BABY JAIL > Auf Wiedersehen (86-93/03)
Tolle 2CD-Anthologie der Zürcher BABY JAIL zum Vorzugspreis. CD 1 (Studio) enthält «Hits» wie Sad Movies, Tubel Trophy, Moonshine Baby, Sex, Dräck etc. CD 2 (Live) wurde am 9. Dez 92 in der Grabenhalle in St.Gallen für DRS3 aufgenommen.Veit
BADU, ERYKAH > Mama's Gun (00)
  Den nach ihrem letzen Album gehegten Erwartungen wird E.B. mit dem Vorliegenden zweifelfrei gerecht. Eine Spur erdiger im Mix besticht dieser Retro-Hyper-Soul erneut durch das dunkle Timbre ihrer coolen, schwarzen Stimme. Auch nicht ausgesprochene Soul-Fans kommen da durchaus ins Schwärmen... zoa

BANDA IONICA > Matri Mia (02)
 

Neuster Wurf des um Vocalisten erweiterten 20-köpfigen, italienischen Blasorchesters, bereichert durch etwas Humor und Zirkus-Würze. Sicher einer der gelungensten Versuche der Erneuerung der süditalienischen Tradition, teils mit Musikern aus dem Umfeld von MANO CHAO. Mit ROY PACI, VINICIO CAPOSSELA, MACACO EL MONO LOCO, MOURO ERMANNO GIOVANARDI , CRISTINA ZAVALLONI, ARTHUR H u.v.a. zoa

BASHUNG, ALAIN > L'Imprudence (02)
Ein grosser Wurf von ALAIN BASHUNG, vergleichbar mit « Astral Weeks » von VAN MORRISON oder « Tilt » von SCOTT WALKER. Feat. MARC RIBOT, STEVE NIEVE, ARTO LINDSAY, LUDOVIC BOURCE, MINO CINELU u.a. Mit einem vertonten Poem des Surrrealisten ROBERT DESNOS. Faszinierend, düster & geheimnisvoll..Veit
BIGHEAD > Nevr-Dull (01)
  Verblüffend ausgereiftes Debut des Baslers MICHAEL BUERGIN aka BIGHEAD. So nahe an einen Geniestreich von VAN DYKE PARKS ist im deutschsprachigen Raum noch niemand gekommen. In den Details noch etwas ungelenk zwar, aber charmant und gewinnend wie HIGH LLAMAS, LAMBCHOP oder RACHELS. Ausgetüftelte Streicher-Arrangements, eine luftige Leichtigkeit beseelt das Werk, ist bestimmt nicht überproduziert! Anspruchsvolle Popsongs wie aus dem POPEYE-Film, mit Frauen- und Männergesang. Erinnert an die besten Erzeugnisse des Basler BOY-Label: ELEPHANT CHATEAU 1990, SKY BIRD 1993 und ZYG 1994. Es ist nicht einzusehen, warum dieses Album nicht ebensoviel Aufmerksamkeit wie MINUS 8, TWEAK oder SEELENLUFT erregen sollte. Veit

BLEGVAD / GREAVES > Kew Rhone (77/98)
  Ein Schlüsselalbum der späten Canterbury-Scene, überwältigt auch heute noch, denn es gibt kaum Vergleichbares. JOHN GREAVES (HENRY COW) & PETER BLEGVAD (SLAPP HAPPY) türmten 1976 nach New York, um mit Hilfe von CARLA BLEY und MICHAEL MANTLER eines der schönsten Konzept-Alben der experimentellen Rockmusik einzuspielen. Dagmar Krause war verhindert, so fiel die Wahl auf LISA HERMAN, die zusammen mit dem berühmten schwarzen Drummer ANDREW CYRILLE, MICHAEL LEVINE (Violin, Viola) u.a. eine tadellose Leistung bot. Veit
 
BLEGVAD, PETER > Choices Under Pressure (00)
  "An Acoustic Retrospective". Ein gutgelauntes, gern gesehenes "BEST OF"-Album des einzigen "klassischen" Singer/Songwriters (= das nie aus der Mode kommende Sänger/Gitarre-Modell), den die CANTERBURY- und REC REC-Szene jemals hervorgebracht hat. SLAPP HAPPY? Das war doch im Prinzip das deutsch-englische Pendant zu VELVET UNDERGROUND, zu Beginn gecoacht von FAUST ("Sort Of", 1972), später veredelt durch HENRY COW (mit "Desperate Straights", 1974). Was LOU REED für VU war, das war PETER BLEGVAD für SH. Gemessen an der literarischen Qualität seiner Texte, ist PETER BLEGVAD bis heute zu Unrecht unterschätzt! Ein Leckerbissen mit PETER BLEGVAD (g,cl,voc), JAKKO (g,keyb,perc,fl), JOHN GREAVES (electric-b), & DANNY THOMPSON (acoustic-b). Prod: JAKKO. Inkl. Scared For Life, Haiku, King Strut, Meantime, Gigantic Eye etc. Absolut liebenswert! Alleine wie er die Zeile "It’s A Waste Of Time" singt; das ist die halbe Miete wert! Veit
BIO BONSAI > Big Band (03)
DAN SUTER & STEPHAN BECKER, das freche Zürcher Duo mit zahlreichen Gästen auf ‚Wellenform Records’. Munter werden verschiedene Stile zusammengewürfelt, ähnlich wie bei SEELENLUFT. Dub, Latin, Samba, Hip Hop, Easy, Lounge u.a. Feat.Saxer ROGER GREIPL (of AERONAUTEN und KING CORA), Sängerin NAMUSOKE, Trompeter DANIEL SCHENKER, DJ CUTMANDO etc. Live waren sie auch am Stadtsommer 2003 überzeugend, und erinnerten daran, dass YELLO und TAXI VAL MENTEK aus derselben Stadt kommen. Veit    
 BLACK, FRANK > Dog In The Sand (01)
  Dieses geschmackvolle & abwechslungsreiche Album ist eine wunderbare Hommage an den Glamrock der 70er Jahre (T.REX, COCKNEY REBEL, MOTT THE HOOPLE, ROXY MUSIC usw.), erinnert aber auch an eines der bedeutendsten Alben der ROLLING STONES: "Exile On Main Street" (1972). Stilvoll inszenziert von der Begleitband THE CATHOLICS um den Keyboarder ERIC DREW FELDMAN (PJ Harvey, Snakefinger, Beefheart), mit delikatem Instrumentarium wie Banjo, Pedal Steel und Slide Guitar sowie Boogie Woogie-Piano. Eine angenehme Überraschung von Sänger und Gitarrist FRANK BLACK, der auf seinen letzten Alben mit eher brachialem Punk-Rock nie das Kaliber seiner früheren Band PIXIES erreichen konnte. FRANK BLACK verblüfft hier mit seiner Stimme als androgyner Verwandlungskünstler: MICK JAGGER, JEFFREY LEE PIERCE & DAVID EUGENE EDWARDS (16 HORSEPOWER) lassen mehr als einmal grüssen! Die internationale Musikkritik hat es noch kaum begriffen: "Dog I The Sand" ist ein höchst inspiriertes Roots-Album und wird sich einst als zeitloser Klassiker entpuppen.  Veit
BLACK, FRANK & THE CATHOLICS > Black Letter Day (02) I Devils Workshop (02)
Mit den Pixies erlebte Sänger/Gitarrist Frank Black ab 1987 einen phänomenalen Aufstieg. Kaum jemand konnte sich dem Sog der zugleich hart rockenden wie beseelten Songs entziehen. Nach 5 Alben war bei den Pixies die Luft weg und Frank Black veröffentlichte 1993 sein erstes Soloalbum, das ebenfalls in der Szene einschlug. Danach verlor sich Black in der Orientierungslosigkeit, wechselte häufig das Label und seine Songs wurden fad und einfallslos. Seine Fans liessen ihn fallen und so haben nur Wenige mitbekommen, dass er im Frühling 2001 mit "Dog In The Sand" sein bisher schönstes und reifstes Album eingespielt hat. Frank Black hatte endlich die feinen Zwischentöne entdeckt, setzte dezent Banjo, Pedal Steel- und Dobro-Gitarren ein, ohne den für ihn typischen Drive zu vernachlässigen. Wie kürzlich Tom Waits veröffentlicht jetzt auch Frank Black gleich zwei brandneue Alben, im Herbst 01 und Frühling 02 in Los Angeles mit leicht unterschiedlicher Besetzung eingespielt. Das Resultat bestätigt: der spleenige Songwriter hat sich mit diesen 29 Tracks deutlich von seiner Schaffenskrise erholt. Veit
 
BLACK BOX RECORDER > Passionoia (03)
Im Juni 03 die «Passionaia» für einen treuen Kunden bestellt, hereingehört und hängengeblieben. An der irritierend zarten Frauenstimme von SARAH NIXEY. An den sparsamen, mitunter kargen Arrangements des Duos LUKE HAINES (Instruments) & JOHN MOORE (Instruments, ex-JESUS & MARY CHAIN), die bei jedem Stück imaginär beim Wettbewerb teilzunehmen scheinen. «Wie schreibe ich den perfekten Popsong?» Diesbezüglich verwandt mit XTC, aber musikalisch gehen BLACK BOX RECORDER eher Richtung YOUNG MARBLE GIANTS von 1980. Es gibt auch eine verblüffende Aehnlichkeit mit dem bereits vergriffenen 98er Album «Ca Va» von SLAPP HAPPY. SARAH NIXEY erinnert mich unablässig an eine listige Schwester von DAGMAR KRAUSE, JANE BIRKIN oder LENE LOVICH, während der geniale Bandleader LUKE HAINES, ohne Uebertreibung, das Charisma eines PETER BLEGVAD & ANDY PARTRIDGE, eines DAVID BOWIE & GAVIN FRIDAY in sich zu vereinen scheint. Etwas blasiert-sophisticated kommt das daher, mit textlich dunklen Abgründen und ironischem Sarkasmus, aber handkerum auch mit herzhaftem Engagement. Doppelschichtig, total auf der Höhe der Zeit. Siehe auch unter LUKE HAINES! Veit
 
BLACK HEART PROCESSION > Amore Del Tropico (02) I 2 (99)
Wurde aber auch Zeit, diese grandiose Band aus San Diego zu entdecken. Seit den LEGENDARY PINK DOTS wurde Melancholie nie mehr so warmherzig in eine komplex musikalische & psychedelische Darbietung eingepackt. Hier sind echte Klangzauberer am Werk, zahlreiche sinnliche Keyboard-Balladen mit Trompete und Geige, z.T. zweistimmig gesungen. Sämtliche dunklen, sensiblen Barden der letzten 15 Jahre (Cave, ovenhand, Oldham, Smog, Tindersticks etc....) könnten sich hier sogar noch Inspiration abschneiden.... Und wenn eine Steigerung kaum mehr möglich erscheint, folgt mit Track 11 das absolute Killerstück: «A Cry For Love». Eine gute Prise CALEXICO, Anklänge an NEIL YOUNG, abgeschmeckt mit einer gesunden Portion Laszivität wie bei GAVIN FRIDAY oder HAWSKLEY WORKMAN. Himmelhochjauchzender Melodienreichtum! Sowas hätte ich nie auf dem Label «Touch & Go» erwartet. Das bisherige Meisterwerk der Gruppe um Sänger PAULO ZAPPOLI. Das zweite Album gefällt mir neben «Amore Del Tropico» am besten. Die Vorläuferband THREE MILE PILOTE ist inzwischen hier im Laden auch vollständig vertreten. Veit
 
BLEY, CARLA > Fancy Chamber Music (98)
  Ein sehr schönes neues CARLA BLEY-Album, das erste für ein schmales Kammer-Ensemble. Atemberaubende Melancholie gepaart mit dem typischen Humor (siehe auch Booklet) von CARLA BLEY. Höhepunkt: das 19-minütige "Tigers In Training". Ich höre diese Platte wie eine imaginäre Homage an Simon Jeffes, den Anfang dieses Jahres verstorbenen Gründer des Penguin Cafe Orchestra. P.S. Ist es nicht traurig, dass CARLA BLEY sich nur noch von der Seite oder unter ihrem Haar verborgen fotografieren lässt, jetzt wo sie Falten im Gesicht trägt? Wer hat den Stumpfsinn erfunden, Frauen mit Falten wären nicht mehr schön? Sachdienliche Hinweise bitte an jede Polizeidienststelle oder an eines unser Aufnahmestudios. Veit
 
BLOEDOW / CHARLES > La Mar Enfortuna (01)
  OREN BLOEDOW (keyb,g,b,perc) & JENNIFER CHARLES (voc). Atmosphärisches Album der beiden Hauptakteure der ELYSIAN FIELDS mit modernen Fassungen von traditionell sephardischen Melodien. Feat. JAMIE SAFT, KENNY WOLLESEN, STEVE BERNSTEIN, EJ RODRIGUEZ, JOAN WASSER & MICHAEL TIGHE (die Freundin & der Gitarrist von JEFF BUCKLEY!), JANE SCARPANTONI u.a. Irgendwo zwischen Siouxsie & The Banshees und Progressiv-Rock der 00er Jahre. Sehr spannend! Veit

 
BOHREN & CLUB OF GORE > Black Earth (02)
Der ideale Soundtrack für lange nächtliche (Traum-) Fahrten. Mit dem dritten Album «Sunset Mission» (00) wurde man auf sie aufmerksam, es war mir fast etwas zu dekorativ. «Black Earth» hat eine leicht zu übersehende dunkle, irreführende «Death Metal»-Hülle, die Musik in Zeitlupe, irgendwo zwischen Krimi-Soundtrack, NIK BÄRTSCH und GODSPEED. Das vierte und beste Album der Kultband aus dem Ruhrpott in der Besetzung THORSTEN BENNING
(drums), CHRISTOPH CLÖSER (sax,piano,rhodes), MORTEN GASS (piano,mellotron,rhodes) & ROBIN RODENBERG (double bass). Veit
BOLAN, MARC > Great Jewish Music (98)
  Erste gute Nachricht: John Zorn liest unser Bulletin regelmässig und hat deshalb diesmal auf seine pathetischen Linernotes (wie beim GAINSBOURG-Tribut) verzichtet. Zweite gute Nachricht: John Zorn hat für seine "Great Jewish Music"-Serie nun auch MARC BOLAN entdeckt und serviert uns deshalb delikate Coverversionen, zweifellos lustvoll inszeniert von ARTO LINDSAY & MARC RIBOT ("Children Of The Revolution"), REBECCA MOORE ("Telegram Sam"), KRAMER ("Get It On"), MELVINS, MEDESKI MARTIN & WOOD, MIKE PATTON, TALL DWARFS ("RIDE A WHITE SWAN"), GARY LUCAS, VERNON REID ("Jeepster"), SEAN LENNON & YUKA HONDA, CAKE LIKE, BUCKETHEAD ("20th Century Boy") u.a. Veit
 
BRATSCH Rien Dans Les Poches (Network) (98)
  Neustes Album der französischen Gypsy-Band. Das erste Highlight beginnt gleich vor dem Einlegen der CD. Erstens klebt ein 10 Centimes-Geldstück in goldener Farbe auf der Hülle (sozusagen das «Retourgeld», als Dank der Gruppe, dass Du die CD gekauft hast) « und zweitens gibt es eine ausführliche Laudatio zum 20. Lebensjahr der Gruppe BRATSCH zu lesen, von einem Autor, selbst ein begnadeter Musikus: JOSEPH RACAILLE! Ein sehr schönes Album, angereichert mit Gästen wie der befreundeten Gruppe ANDO DROM aus Budapest mit ihrer Sängerin MITSOU. Veit
BRENNAN, JOHN WOLF > The Well-Prepared Clavier (74)
  «Das Wohlpräparierte Klavier». Diese CD ist ein sehr überzeugendes & vitales Statement zur aktuellen Situation des präparierten Klaviers, in der Tradition von HENRY COWELL & JOHN CAGE. JOHN WOLF BRENNAN ist Komponist & Interpret zugleich, kennt sich aus im improvisierten Jazz und experimentellem Rock; und so ist sein Zugang zum komplexen musikalischen Material das Gegenteil vom gefährlichen Elfenbeinturm. Diese Musik ist eine Lektion & Offenbarung zugleich; ernsthaft & humorvoll traktiert BRENNAN stilsicher die Tasten seines Klaviers, das er buchstäblich in- und auswendig kennt. Aussenaufnahmen von knarrenden russischen Türen & der Londoner U-Bahn werden mühelos in die Soundambiente eingebettet. Sein Hang zu kreativen Wortspielen zeigt sich bei den Titeln 5. to Györgi K.(Ur Tag), 8. To Henry C.(O Well) und 21. To John C.(Age). Sehr witzig auch das Foto mit dem durchgestrichenen Ortsschild Claviers (Provence/France). Bonustracks: ein Duo mit MARIANNE SCHROEDER und zwei Tributs an SERGEJ KURYOKHIN (1954-96), Live vom 16. Mai 97 in der Queen Elizabeth Hall/London. Mit Linernotes von JOHN CORBETT/Chicago und PIRMIN BOSSART/Luzern. Veit
 
BREUKER / WEILL > Marie Galante u.a. (98)
  Grossartiges KURT WEILL-Tribut-Album des WILLEM BREUKER KOLLEKTIEF aus Amsterdam. Mit einer Lässigkeit wie Präzision eingespielt, so wie es (fast) nur Jazzer können, inkl. dem ganzen "Marie Galante"-Zyklus (1934 im Pariser Exil entstanden), gesungen von LOES LUCA. Auch selten gehört: "Öl Musik" von 1928. Es wurden auch ältere Aufnahmen von bereits veröffentlichten BREUKER-Platten hinzugezogen, um das engagierte KURT WEILL-Portrait abzurunden. Verblüffend: "Aggie’s Song" (1936) im Vergleich mit der sehr ähnlichen Fassung von VAN DYKE PARKS, 1985 auf dem Tribut "Lost In The Stars"! Das BREUKER KOLLEKTIEF hat kürzlich sogar mit der Legende GISELA MAY einen BRECHT-Abend einstudiert.  Veit
BREUT, FRANCOIS > Vingt A Trente Mille Jours (00)
  Das zweite Album der jungen Französin FRANCOIZ BREUT verzaubert ebenso wie das überraschende Debut von 1997. Der elegante Sprechgesang erinnert manchmal an Francoise Hardy oder Brigitte Fontaine, ist adoleszent & abgeklärt zugleich, aber niemals aufdringlich lasziv wie diese zahlreichen Trip Hop-Guetzli. Koryphäen wie KATERINE, DOMINIQUE A., YANN TIERSEN und JOEY BURNS (Calexico) haben kompetent instrumentiert, bei der Hälfte der Tracks wurde gar das BUDAPEST SYMPHONY ORCHESTRA beigezogen. Moderne Chansons, selbstbewusst und melancholisch, fesselnd wie Tindersticks oder Jay Jay Johanson. Veit
BRUHIN, ANTON u.a. > Travels With A Trump / OST (99)
  ”ANTON BRUHIN The Jew’s Harp Player. Original Soundtrack of TRÜMPI, A Film By IWAN SCHUMACHER”. Der Soundtrack zum wunderbaren Dokumentarfilm über den Maultrommel-Spieler ANTON BRUHIN (siehe auch sein TRÜMPI-Special im Katalog Herbst 98), auf seiner Begegnungsreise durch die Schweiz, nach Sibirien und Japan. Ein Film, der ganz ohne Kommentar oder Interviews alleine auf die archaischen Klänge der Maultrommeln, die Landschaften und die Mimik der Menschen vertraut. Aus 80 Stunden Filmmaterial akribisch zu einem kleinen Meisterwerk geschnitten. Vermutlich der schönste Musikfilm seit ”Step Across The Border” über FRED FRITH. Veit
 
BRUHIN, ANTON > Rotomotor / Orax (76-78/01)
  Ein CH-Klassiker erster Güte, dieser “Rotomotor” von 1978, damals auf LP in kleiner Auflage beim “Sunrise”-Label von Etienne Conod erschienen, heute beim noch nicht 40jährigen, aber sehr weitsichtigen Emanuele Cardano in Mailand auf “Alga Margen”! Eine Fleissleistung des Zürcher Malers/Dichters und Musikers ANTON BRUHIN. 3400 gesprochene schweizerdeutsche Wörter, die jeweils nur in einem Buchstaben voneinander abweichen dürfen, in rasendem Tempo aneinandergereiht sind und dadurch beinahe den Effekt von Minimal Music erreichen. DADA hoch zehn! Bonus Tracks: 4 weitere experimentelle Tracks aus dem umfangreichen Archiv von ANTON BRUHIN, atmen denselben abenteuerlichenCharakter wie die 4 von 1976-81 auf “In Out” (1998). Veit
BRUHIN, ANTON > InOut (76-81/98)
  "Ist es nicht ein Heidenspass, es den Göttern gleichzutun" (ANTON BRUHIN, zitiert nach dem Buch von URBAN GWERDER). Es läuft momentan einiges mit ANTON BRUHIN. Tzadik veröffentlichte soeben die CD des Japaners KOICHI MAKIGAMI mit BRUHIN (siehe MAULTROMMEL-Spezial) und das ALGA MARGHEN-Label aus Milano (TAZARTES u.a.) hat mit glücklicher Hand in seinen Archiven gewühlt und 4 experimentelle Soundcollagen aus den Jahren 1976-81 hervorgezogen, die alle erfrischend unakademisch die Zeit bestens überdauert haben. Höhepunkt: die musikalische Vertonung des Gedichts "Die Welt" von CHRISTIAN HOFMANN VON HOFMANNSWALDAU (1617-1679), wegen fast leeren Batterien während der Tonbandaufnahme die unglaublichsten Turbulenzen ausführend. ("Was ist die Welt und ihr berühmtes Glänzen? Was ist die Welt und ihre ganze Pracht? Ein schnöder Schein in kurzgefassten Grenzen, Ein schneller Blitz bei schwarzgewölkter Nacht.") Veit
BRUCE, JACK > Things We Like (68/70/03) I Songs For A Tailor (69/03) I Harmony Row (71/03) I Out Of The Storm (74/03)
Zum ex-CREAM-Bassisten/Keyboarder JACK BRUCE habe ich immer eine besondere Affinität empfunden, ohne seine Arbeit jedoch durch all die Jahre lückenlos zu verfolgen. Heute zählt er für mich zu den grossen Figuren der Rockmusik. Sein Debut «Songs For A Taylor» zeigt ihn als ausgereiften Songschreiber mit eigener Handschrift, rhythmisch wie harmonisch (Bläsersätze!) hochinteressant. Sein kräftiger Bass hat stark beeinflusst, die charismatische Stimme sowie die Tastenkünste haben seine Persönlichkeit abgerundet. Feat. JON HISEMAN, DICK HECKSTALL, HARRY BECKET & HENRY LOWTHER, CHRIS SPEDDING, FELIX PAPPALARDI u.a. Das unkommerzielle Jazz-Album «Things We Like», bereits 1968 mit JOHN McLAUGHLIN, JON HISEMAN & HECKSTALL-SMITH eingespielt aber unter Verschluss gehalten, wurde 1970 hastig nachgeschoben, da finde ich seine damalige Zusammenarbeit mit TONY WILLIAMS’ LIFETIME spannender. Das schillernde Album «Harmony Row» (71) mit CHRIS SPEDDING (g) & JOHN MARSHALL (dr) beginne ich eben erst zu entdecken, als perfekte Überleitung zu meinem Lieblingsalbum von JACK BRUCE mit dem parkierten Velo im Wald. 1974 gab es drei ähnlich faszinierende melancholische Meisterwerke: «Rock Bottom» von ROBERT WYATT, «Sefronia» von TIM BUCKLEY und «Out Of The Storm» von JACK BRUCE. Alle 4 JACK BRUCE-Alben sind dank verbessertem Sound & zahlreichen Bonustracks schwer empfohlen! Veit
 
BRYARS, GAVIN > A Portrait (75-96/03)
  Beseelter & intelligenter als MICHAEL NYMAN & PHILIP GLASS, könnte GAVIN BRYARS mit Soundtracks im Dutzend vermutlich auch mehr Kohle verdienen... Der DUCHAMP, SATIE & CAGE-Fan ist bescheiden geblieben. Umsomehr freut diese günstige 2CD-Anthologie auf Philips zu seinem 60.Geburtstag. Unglaubliche Tracks von erlesener Anmut: Cello Concerto, One Last Bar, Les Fiancailles, Jesus Blood, Green Ray, Adnan Songbook, Sinking Of Titanic, North Shore. Feat. TOM WAITS, JOHN HARLE, ELIZABETH PERRY, DAVE SMITH, BORNEMOUTH SINFONIETTA, JULIAN LLOYD WEBBER, ENGLISH CHAMBER ORCHESTRA, NEXUS (Percussion Ensemble) u.a. Veit
BUCKLEY, TIM > Buckley / Goodbye & Hello (66-67/01)
  Wer hätte es gedacht: der 19- bis 20-jährige TIM BUCKLEY, in einer gepflegten Reissue-Serie von ELEKTRA, die auch noch FRED NEIL, PHIL OCHS, JUDY HENSKE u.a. umfasst. 2 LPs on 1 CD. Die LEONARD COHEN-, BOB DYLAN- und JIM MORRISON-Aspekte seines Werkes waren damit schon fast ganz abgedeckt. «Goodbye & Hello»bleibt ein Klassiker, sei hiermit allen NICK DRAKE- Fans schwer empfohlen. Feat VAN DYKE PARKS, LEE UNDERWOOD, JAMES FIELDER, BILLY MUNDI, JACK NITZSCHE, JIMMY BOND, CARTER C.C. COLLINS, DON RANDI, JERRY YESTER u.a. Veit
 
BUCKLEY, TIM > Happy Sad (68)
Eine wunderschöne Gabe für sanft verregnete Sommertage. Der Asphalt dampft, die Gräser riechen. Wir fühlen uns seltsam heute. Wer schafft an einem solchen Tag den Spagat zwischen MILES DAVIS («Kind Of Blue») und NICK DRAKE («Bryter Later»)? TIM BUCKLEY hat mit 21 Jahren in Los Angeles das zauberhaft melancholische Album «Happy Sad» eingespielt, welches auch heute noch im seit 10 Jahren beinahe unübersichtbar gewordenen Singer/ Songwriter-Genre Massstäbe setzt. Gesangliche Perlen wie «Strange Feelin’», «Dream Letter» oder «Love From Room 109 At The Islander» verströmen eine unfassbare Intensität, schicksalshaft verloren zwischen Raum & Zeit. Veit
BUCKLEY, TIM > The Dream Belongs To Me (68+73/01)
Endlich bekommt auch TIM BUCKLEY seine längstverdiente, chronologische Anthologie auf Rhino‘ in wunderschöner Aufmachung. Natürlich lässt sich über eine solche Stückauswahl immer streiten. Zuviel "Tim Buckley" (66) und "Blue Afternoon" (70), zuwenig "Lorca" und "Starsailor" sowie keine wirklichen Raritäten für die Fans. Dafür wird jede verschenkte Box ein riesengrosses Kompliment bedeuten. Veit
BUCKLEY, TIM > Morning Glory / Anthologie (66- 74/01)
Sensationell hingegen im ärchologischen Sinne ist "The Dream Belongs To Me", weniger wegen den 6 Tracks von 1968, die bereits auf "Work In Progress" (99) erschienen, sondern wegen den 8 Tracks vom 12. Februar 1973 im Uebungsraum, die kurz vor dem Studiotermin für "Sefronia" mitgeschnitten, aber erst kürzlich entdeckt wurden! Ohne den Zucker & Kleister der späteren Studio-Produktion wirken diese Stücke wie eine Offenbarung! Inkl. 2 bisher unbekannten Songs: "Dream Belongs To Me" und "Falliong Timber". Veit
BURGER, ROB > Lost Photograph (02)
Ein grosser Wurf von ROB BURGER, Akkordeonist beim TIN HAT TRIO. Unglaublich schön & vielfältig anregend. Eingespielt im Trio mit GREG COHEN (b) und KENNY WOLLESEN (vibes,dr,perc). Das Album erschien im Januar, auch im November bestätigt das Wiederhören den ersten Eindruck. Ein wundervolles Akkordeon-Album mit Tiefgang wie auch verspieltem Easy Listening-Touch, ROB BURGER bedient 16 verschiedene Keyboardinstrumente! Veit