die andere Musik

     
Longsellers und Geheimtipps << L >>  
 
LÄSSER, MAX > Ueberland (01)
  Respekt! Ein Gitarrist, der sich bescheiden immer etwas unter seinem Wert verkauft hat, mit einem charaktervollen, stimmigen ‘Swiss-Roots’-Album. Feat HEIRI KÄNZIG, ROLAND SCHILTKNECHT, ANTON BRUHIN, CHRISTOPH STIEFEL, VALENTIN KESSLER, HANK SHIZZOE u.a.
LAMBCHOP > What Another Man Spills (98)
  Nach ihrem Meisterwerk, dem zweiten Album "How I Quit Smoking" (95) gab es zwei kürzere, unentschlossene Alben, die weniger überzeugten, aber mit "What Another Man Spills" schliesst sich der Kreis. LAMBCHOP ist keine Eintagesfliege. Und kürzlich im Konzert, an diesem unvergesslichlichen Revueabend in der Roten Fabrik, hat sich mein Eindruck bestätigt. Eleganter wurde Zeitlupen-Country nie zelebriert; ihr Kopf KURT WAGNER ist eine grossartige Figur und sein Pedal Steel-Gitarrist PAUL NIEHAUS ein Genie. Die restlichen Musiker/innen sind umwerfende Statisten. Das paradoxe Soundkonzept lädt zum Schmunzeln ein. 14 Leute auf der Bühne, aber die Musik ist so subtil wie ein geräuschloser Ventilator. Höhepunkt: ihre CURTIS MAYFIELD-Coverversion "Give Me Your Love". Veit
LANE, ANITA > Sex O’Clock (01)
  Kein blondes, herziges Tussi, so wie das Cover suggerieren möchte, sondern ein engagiertes zweites Opus der ehemaligen NICK CAVE-Gefährtin und inzwischen dreifachen Mutter aus Australien. Produced By MICK HARVEY for MUTE. Strings Arranged By BERTRAND BURGALAT. Drums By Thomas Wydler. Inkl. Track von GIL SCOTT-HERON sowie moderne, sehr sinnliche englische Fassung des ital. Partisanenlieds «Bella Ciao». Lasziv & kultiviert! Veit
LANEGAN, MARK > Field Songs (01)
  Sein drittes (Coverversionen-) Album war bereits eine Wucht, «Field Songs» übertrifft nochmals alles. Grossartiges Herbstalbum des mächtigen Bariton, der oft mit TIM BUCKLEY, NICK DRAKE, TIM HARDIN und TOWNES VAN ZANDT verglichen wird.
LATIN PLAYBOYS > Dose (99)
  Das zweite Album der Kultband LATIN PLAYBOYS ist pünktlich am 2. März 99 eingetroffen. Ihr Debut von 1994 gehört zu den 10 besten Alben der 90er Jahre. Das exzellente Quartett wird gebildet durch DAVID HIDALGO & LOUIE PEREZ von den LOS LOBOS, sowie das versierte Produzentenpaar MITCHELL FROOM & TCHAD BLAKE. Erneut formulieren sie sich knapp mit 35 Minuten, minimal reduzierte ‘Anti-Songs’, auf Anhieb nicht als Perlen erkennbar. Erst mit der Zeit wächst das Album zu einem unwiderstehlichen Dauerthema heran.
LERCHE, SONDRE > Faces Down (01)
Erinnert nicht unbedingt von der Stimme, aber vom Phänomen her an den blutjungen TIM BUCKLEY von 1966. Fantastisches Debut des 19-jährigen Norwegers SONDRE LERCHE von verblüffender Reife. Tiefgang & Verspieltheit im selben Paket. Euphorisch-melancholische Melodieführung wie bei RUFUS WAINWRIGHT, juvenile BEATLES-Choräle, drei wundervolle String Arrangements von SEAN O’HAGAN of HIGH LLAMAS. Auf Virgin/Norway. www.sondrelerche.com Veit
LHASA > The Living Road (03)
Das langersehnte zweite Album der faszinierenden Sängerin LHASA (Lhase De Sela). Das im April 98 entdeckte Debut «La Llorona» (97) wurde seither durch Mundpropaganda hier im Laden 150mal verkauft. Geboren in New York, aufgewachsen in Mexico und Nordamerika, lebt LHASA heute in Kanada und Frankreich und sang auf dem Debut spanisch. Seither sang sie im September 2000 auf dem Album «Madame X» von ARTHUR H, im Juni 2003 auf dem neuen Album der britischen TINDERSTICKS, aber ob ein eigenes neues Album erscheinen würde, blieb lange ungewiss... 12 Songs, knapp 50 Minuten. 5 Lieder auf spanisch, 4 auf englisch, 3 auf französisch. Im Vergleich zum Debut fehlen Up-Tempo-Nummern wie «La Celestina» oder «Los Peces», die Stimmung ist – passend zum November – eher schwermütig und melancholisch, aber gleichzeitig ausdrucksvoll und musikalisch reichhaltig. Die leidenschaftliche Stimme von LHASA ist unverwechselbar, intensiv und warmherzig. Eine knisternde Atmosphäre belebt die manchmal an BJOERK oder MARI BOINE, bzw. HECTOR ZAZOU gemahnenden Arrangements. Track 3 «Abro La Ventana» klingt, als würde LHASA von CALEXICO oder deren Schattenbrüdern FRIENDS OF DEAN MARTINEZ begleitet. Track 7 «La Confession» gibt den Eindruck, als hätten die Berliner ELEMENT OF CRIME mit SVEN REGENER an der Trompete im Studio vorbeigeschaut. Bei Track 9 «Small Song» dürften sich TOM WAITS und die LATIN PLAYBOYS darüber gestritten haben, wer die Künstlerin jetzt begleiten darf.... Veit
LHASA La Llorana (Tot Ou Tard) (98)
Sehr schönes & zartes Album der Sängerin LHASA (DE SELA). Geboren in New York, aufgewachsen in Mexico und Amerika, lebt sie jetzt in Québec/Kanada und singt spanisch. Anfänglich Jazz der 30er Jahre interpretierend, kehrt sie nun wieder zu ihren eigentlichen Wurzeln, den populären Balladen des alten Mexico zurück. Irgendwo zwischen Francoiz Breut, Mary Coughlan, Madeleine Peyroux, Fay Lovsky und Gabriella Ferri.. Unter dem kleingedruckten Motto: «VIVA LA EVOLUCION!» Veit
LESCHENKO, PJOTR >1935: Tangos, Foxtrots & Romances (35/96)
  Mit dem ”König des russischen Tangos” könnnen wir eine Lücke in unserem Sortiment schliessen: PJOTR LESCHENKO war von den 30er- bis in die 50er Jahre der populärste russische Sänger der Emigration und ist in seiner Bedeutung und der berührenden Qualität seiner Interpretation wohl gleichzusetzen mit CARLOS GARDEL in Argentinien. Seine Platten waren unter Stalin verboten und wurden als ”musikalische Samisdat” schwarz nachgepresst – wenn nötig, auf ausgedienten Röntgenplatten. Leschenko reiht sich damit in die tragische Reihe der verfemten Künstler/innen, die für ihr Werk von einer totalitären Kulturpolitik auch in den Tod getrieben wurden: in Bukarest wird nach dem 2 Weltkrieg sein Restaurant geschlossen, er erhält Auftrittverbot und stirbt 1954 in einem Lager.
Die reizvolle Kombination russischer Sprache und Musikelemente mit dem klassischen Tango kommt vor allem in der Sammlung ”1935: Tangos, Foxtrots &Romances” zur Geltung.Sie ist eine in jeder Hinsicht wertvolle Ergänzung gerade auch zur bei ‘Trikont’ erschienen Zusammenstellung mit Tango aus Finnland. Dominik
LILIPUT Liliput > Kleenex (78-83/01)
  5 Jahre vergriffen, wurde die Anthologie der Zürcher Frauenband KLEENEX aka LILIPUT auf dem US-Label 'Kill Rock Stars‘ identisch wieder aufgelegt. Offenbar über Import nicht allzu leicht zu bekommen.

LITTLE ANNIE > The Legally Jammin' (03)
No Wave Disco Dub’. Der erste Eindruck lautet: eine zahme Mischung aus BRAINTICKET «Cottonwoodhill» mit DIAMANDA GALAS light. Oder die weibliche Antwort auf SUICIDE? Doch je länger ich LITTLE ANNIE (alias ANNIE ANXIETY) kenne, desto mehr bewundere ich ihre waghalsigen Stilsprünge. Auch LADY JUNE und ANNETTE PEACOCK kommen als Komplizinnen in den Sinn...DANIELLE DAX und KAREN FINLEY... Jedes ihrer bisherigen 4-5 Alben bedeutete ein irritierendes Comeback, sogar das Debut! Die minimale Besetzung sowie die internationale Studioarbeit lautet: LITTLE ANNIE (vocals), KHAN (organ,percussion,electronics) & JENDREIKO (guitar,percussion,electronics). Basic Tracks Recorded in Düsseldorf, Vocals & Percussion in New York City, Overdubs in Mexico City. Additional Percussion On «Bleach» By CROOKED SCREWS feat. KID CONGO POWERS (ex-GUN CLUB). Veit
LOCASCIULLI, MIMMO > Aria Di Famiglia (85-92/02)
Gehört neben PAOLO CONTE und VINICIO CAPOSSELA zu den wichtigsten, nicht kommerziellen Cantautori aus Italien. Eigenwillig und kultiviert präsentiert er hier nebst drei aktuellen Liedern 22 Höhepunkte seiner Karriere von 1982-95. Und weil seine Major-Plattenfirma die Originalbänder nicht herausrücken wollte, hat Mimmo kurzerhand alle Lieder neu eingespielt und dem Römer Kleinstlabel Hobo zum Vertrieb überreicht. 20 italienische Musiker/innen haben ihm dabei geholfen, sowie seine amerikanischen Freunde GREG COHEN (b) und MARC RIBOT (g). Entspannend, anregend und genussvoll. Veit
LÖDIG > Lödig (99)
LÖDIG, die reizvolle Neuentdeckung von RecRec, brummt auf der gleichnamigen Debut-CD beschwingt durch die ufernahen Gebiete des Mainstreams dieses Jahrhunderts. In den Mangrovensümpfen des Blues, in den Lagunen des Bossa Nova oder im Pool der Popmusik schaukelt das Boot des Duos JAN RATSCHKO (Bandoneon,Klarinette) und SIMON DELLSPERGER (Stimme,Trompete, Gitarre). Die CD vereinigt eine Auswahl von 16 Stücken – die Inspirationsquellen reichen von Duke Ellington über Nino Rota bin hin zu zweifelhaften Ursprüngen. Demontiert, zersetzt, rezikliert und synthetisiert werden die Zitate in einer Art und Weise, die bestechend an die Coverversionen von Pascal Comelade erinnert. Roger
 
LOPEZ, ORLANDO CACHA > Cachaito (01) 48:09/12 32
  Der Bassist des BUENA VISTA SOCIAL CLUB legt mit seiner bevorzugten Rhythmus Section, einer Vielzahl von einheimischen Musikern (u.a. mit String- und Horn-Arrangements) und angereichert um einige zeitgemässe Elemente (Hammond, E-Guitar, Decks, Scratch) ein vielschichtiges, sorgfältig produziertes Album vor, das als ein subtiler Schritt von den Wurzeln her Richtung Latin-Groove zu werten ist, ohne auch nur im geringsten in kommerzielle Beliebigkeit abzudriften. Auch die eingewobenen Jazzelemente und der erdige Mix überzeugen restlos. Eine Scheibe, die eindeutig neue Massstäbe setzt – und ein Muss für die Social-Club-Gemeinde. Zoa
LOS LOBOS > This Time (99)
Formidables neues Album der LOS LOBOS, die auch kürzlich auf der Bühne zu überzeugen vermochten, komplexe Passagen à la Mothers of Invention oder Weather Report zwischendurch locker aus dem Aermel schüttelten und mit ihrem Roots-Groove an die guten alten Little Feat erinnerten. Produziert von TCHAD BLAKE & MITCHELL FROOM. Veit