die andere Musik

   
...werte gäste...
Zürich, 19. Sept. 2006

zeit um das album des jahres abzufeiern! bereits im letzten rundmail an unterster stelle erwähnt (buchstabe y, sorry!), konnte der zäh und fleissig arbeitende rec rec-shop seit mitte juni bereits 46 exemplare verkaufen, mehr als die vereinigten staaten zusammen! wie habe ich überhaupt vom release erfahren? gute frage! meine zahlen-jongleurin iren hörte die cd im jecklin sihlporte, im unteren stock beim musikalisch zuverlässigen andreas walter, und gab mir sofort bericht! ich bestellte umgehend per import 10 exemplare und telefonierte "unserem mann in london": hanspeter kuenzler, der mir anfang 1995 das erste album von stephen yerkey schmackhaft machte. Seine beiden lobeshymnen für loop und nzz bekommt ihr exklusiv in diesem rundmail vorgesetzt! weiter kommt viktor bänziger ins spiel, der umtriebige konzert-promoter von der sihl versandte am 17. august 06 ein rundmail, welches hier ebenfalls erscheint!

darf ich noch schnell darauf aufmerksam machen, dass seit gestern 10 exemplare der ton steine scherben-box eingetroffen sind, zum sensationellen preis von 160.- fr, in der passenden form eines pflastersteins, eine editorische meisterleistung mit 36 erstmals auf cd veröffentlichten und über 50 neu abgemischten songs! zur ansicht unter www.tonsteinescherben.de

die news vom august 2006 liegen als pdf bei und unter www.recrec-shop.ch

danke & gruss: veit f.stauffer (dienstag 12. september 2006)

Beinahe hätte ich das Album des Jahres verpasst. Dass es dann gottseidank doch anders kam, kam so. Wieder einmal hatte Cathal Lust auf Curry gehabt und auf dem Weg zum besten Curry-Haus in der ganzen Stadt - Geeta's, Willesden Lane, NW6 - bei mir geklingelt. Irgendwie kamen wir drauf, dass ich ihm noch nie eine meiner ganz klaren Top-10-Lonely-Island-Platten vorgespielt hatte, nämlich Stephen Yerkeys "Confidence Man", erschienen 1994. Darauf röhrte und säuselte der singende Songwriter aus San Francisco wie ein Johnny Cash mit der Stimme eines Scott Walker und der Phantasie eines Tom Waits. Eine einzige weitere Platte mit Yerkey hatte ich noch gefunden: das erste und letzte Album seiner vorherigen Band, Nonfiction, die immerhin zehn Jahre existiert hatte. Anyway. Seit 1994 war kein weiteres Lebenszeichen von ihm erschienen. Der Frust sass mir unterdessen so tief, dass ich seinen Namen seit Monaten nicht mehr gegooglet hatte. Nun zeigte es sich aber, dass auch Cathal "Confidence, Man" für ein Meisterwerk hielt. Er hatte keine Google-Hemmungen. Und siehe da: ihm - und ein e-mail später auch mir - tat sich eine ganz neue Yerkey-Website auf, www.stephenyerkey.com , und diese wiederum enthielt das Versprechen einer baldigen frischen CD, "Metaneaonatureboy". Flugs wurde natürlich beim zuständigen Plattenlabel angerufen, der Londoner Firma Echo. Aber dort hatte vorerst niemand von einem Yerkey gehört. Ich wurde von Büro zu Büro weitergereicht, bis ich schliesslich beim Firmendirektor landete. Dieser, so schwärmte er, war ebenfalls über "Confidence, Man" zum Fan geworden. Letztes Jahr stellte er ein paar Nachforschungen an und fand heraus, dass sein Held in San Francisco wohnte und im Empfang in einem Heim für problematische Jugendliche arbeitete. Irgendwie schaffte er es, die Aufnahmekosten für ein neues Yerkey-Album im Budget seiner letztlich zu EMI gehörenden Firma unterzubringen. Sodann engagierte Yerkey eine wahre Mordsband, zu der mit dem Multiinstrumentalisten Ralph Carney und dem Gitarristen Joe Gore zwei langjährige Mitstreiter von Tom Waits gehörten. Weiters dabei waren nebst Edeldrummer Scott Amendola ein paar weitere Grössen aus der Jazz-Szene von San Francisco. Als Produzent waltete wie schon bei "Confidence, Man" Eric Drew Feldman, der schon mit Beefheart, Pere Ubu und PJ Harvey unterwegs gewesen war. Die Resultate sind - wen verwundert's - atemberaubend, grossartig, gewaltig etc. usf. Besonders berauschend ist das letzte Stück, das über zehn Minuten dauernde "Stinson Beach Road". Dabei habe er, erklärt Yerkey jetzt übers Transatlantiktelephon, sein Ziel damit vollkommen verfehlt. Er habe ein Lied singen wollen, das klinge wie eine seiner Lieblingsbands, die Westküstenpsychedelikbluesrocker Quicksilver Messenger Service. Herausgekommen ist eine Ode ans Freisein und ans Träumem - mit Zeilen wie: "My Suzanna waits/in Bolinas for me/I'll balance her there/like a banjo on my knee". Brillant! Brillant wie jede Sekunde dieses herrlichen Albums.

Hanspeter Kuenzler im Loop, September 2006, Seite 20

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Tut mir leid für Euch. Stephen Yerkey hat ein Riesenteil abgeliefert. Nicht zu toppen. Und seit März 2006 erst ein paar Handvoll davon verkauft. Könnt Ihr dann am Sonntag in der NZZ in der Geschichte vom grossen HANSPETER "Düsi" KÜNZLER herausfinden. Zu kaufen gibt's "metaneonatureboy" bei Veit im RECREC-Laden. Und die gehen wohl weg wie frische Weggli nach Sonntag. Adi Weyermann und ich schwärmten gestern beim öden Dully/Lanegan-Konzert über Mr.Yerkey Mache garantiert keine Kopien.

Der Mann war 1993 im el Internacional, vor 14 Jahren LEUTE. Drei Nächte gespielt. Der böse RICH MINUS wollte ihm die Gitarre zusammentreten, weil er den San Francisco-Schnösel wie die Pest gehasst hat. Wegen des Songs "Cocksucking Blond" auf seinem noch besseren Teil "confidence" (1994 Moll)

Zwei Jahre später wieder bei uns. Mit Clark Suprynowicz am Bass (Clark Suprynowicz spent many years in the trenches as a jazz musician before decamping to compose full-time. His work as a bassist includes stints with Tom Waits, John Zorn, Herb Ellis, and Max Roach. He has recorded with Tom Waits, Bill Frisell, Jerry Granelli, Jane Ira Bloom, Aina Kemanis and others.) und David Phillips an der Pedal Steel (David Phillips is generally recognized as the reigning king of pedal steel in the Bay Area and one of the few players in the world that takes the instrument into the realm of high level jazz improvisation. He has hundreds of records to his credit as a sideman and has worked with artists as varied as Tom Waits)

Von hier, der allereinzigen Insel mit kommender Herbstzeitlose an der Sihl und mir:
Gutes tun

Viktor
17. August 2006
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Stephen Yerkey befinde sich an der amerikanischen Ostküste auf Tournee. Da habe er bequem Zeit für ein Interview. Zur abgemachten Zeit nimmt aber niemand ab. Die hinterlassene Nachricht bleibt unbeantwortet. Eine Woche später klappt die Verbindung doch noch. Gerade wandere er als Tourist durch Washington DC, sagt Yerkey. Schön habe er es. Aber in ein paar Tagen gehe es zurück nach Kalifornien und auf Jobsuche. Die "Tournee" entpuppt sich als eine magere Serie von drei Auftritten im Vorprogramm von Alejandro Escovedo, gefolgt von einem Tavernenauftritt im Juni und einem weiteren solchem im Juli. Auch die Panne mit dem Handy hat eine eher traurige Erklärung: Zur Zeit des Anrufes befand sich der Mann, der röhren kann wie Scott Walker und Geschichten erzählen wie Tom Waits, gerade in einem Aetherwellenschatten. Sein superbilliger Handyvertrag erlaubt ihm keine Anrufe ins Ausland, und für einen Rückruf aus dem Hotel hatte er kein Geld. Die erste Frage an ihn liegt auf der Hand: Warum hat diese grandiose Stimme, von der es im "Rough Guide - Country Music" heisst, er sei einer der grössten wenn auch unbekannten Songschreiber und Sänger westlich des Mississippi, just drei offizielle Alben herausgegeben? Die Antwort, die zundertrocken über den Atlantik knistert, ist kurz und brutal: "Es hat kaum je jemand Interesse gezeigt." Die Tragik der Situation kann in Zahlen gefasst werden: Das neue Album ist in den USA im März erschienen, und es sind davon bis jetzt exakt 42 Exemplare verkauft worden. Im ganzen Land ist nicht eine einzige Rezension publiziert worden. "Es ist, als wäre die CD nie erschienen", sagt Yerkey traurig.

Das ist eine Schande. Denn seine beiden Soloalben "Confidence, Man" (1994) und jetzt "Metaneonatureboy" sind beide - das Wort sei hier nicht leichtsinnig hingeworfen - grossartig. Sie leben nicht nur von Yerkeys Stimme, die sich förmlich in die Melodien hineinwindet, um ihnen das letzte Quentchen Blues abzugewinnen. Sie leben auch von Yerkeys ungewöhnlicher musikalischer Vision. Beide Alben wurden produziert von Eric Drew Feldman, der einst mit Captain Beefheart und mit David Thomas's Pere Ubu musizierte ("Thomas grenzt für mich an ein musikalisches Wunder", sagt Yerkey). Zu den Musikern zählen Gitarrist Joe Gore und Bläser Ralph Carney aus der Band von Tom Waits, sowie Drummer Scott Amendola, Klarinettist Ben Goldberg und andere Grössen aus der Jazz-Szene von San Francisco. Die resultierende Musik ist irgendwo zwischen Johnny Cash und Tom Waits angesiedelt. Aber auch der Ur-Rock von Link Wray, das schmetterlingshafte Falsetto von Roy Orbison, die neueren alternativen Country-Versuche von Grant-Lee Buffalo und - gemäss Yerkey selber - der trippige 60s Rock von Quicksilber Messenger Service sind herauszuspüren. Dann die Texte! "I wanna be Link Wray's girlfriend/I'll rub bearfat oil on his chest/reline his speakers" ("Link Wray's Girlfriend"). "My baby thinks there's nothing greater than to empty the jails out for the Governator" ("My Baby Love The Western Violence"): "Es ist beschämend, in einem Bundesstaat zu leben, wo ein Arnold Schwarzenegger Governeur sein kann ", sagt Yerkey. Oder "Cadillacs Of That Colour", wo es um den Schulausflug eines urbanenen Teenagers in den Golden Gate Park geht, der die Farben der Blumen nur mit den Farben seines Traumwagens vergleichen kann.

Yerkey wurde wurde 1950 in West Virginia geboren. Mit 14 Jahren bekam er seine erste Gitarre und entdeckte Dylan und die Stones. Er lebte in Detroit, St. Louis, Cincinatti und einigen anderen "Hillbilly-Hauptstädten", ehe er in San Francisco landete und 1977 seine erste Band gründete, Nonfiction (das einzige Album der Gruppe erschien nur in England - beim Label, das Elvis Costello mitgegründet hatte, Demon Records). Derweil sich die Band zehn Jahre lang hielt, arbeitete Yerkey als Hauswart, Empfangsmann, Securitas-Wärter, Bagel-Bäcker, Tellerwäscher und Zeitungsverkäufer. Daran hat sich seither nichts geändert. Dass jetzt "Metaneonatureboy" hat entstehen können, ist dem Kapitän des englischen Labels Echo Records zu verdanken, einem Yerkey-Fan, dem es gelang, im Budget seiner Firma die Aufnahmekosten der CD zu verstecken - für mehr reicht das Geld nicht. Jetzt will Yerkey in die Berge von Nordkalifornien zurückziehen und mehr beliebte Songs anderer Leute einstudieren, damit er in Bars auftreten kann: "Ich werde alt. Ich muss eine Bleibe finden. Ich werde wohl einen Flecken Land kaufen und einen Wohnwage drauf stellen." Uebrigens war Yerkey auch schon in Zürich. Bei seiner einzigen Europatournee stieg er im damaligen Club International ab. Victor, sagt er, sei wahnsinnig lieb gewesen zu ihm: "Ich sollte noch Konzerte in Italien geben, aber die fielen ins Wasser. Da hat mich Viktor kurzerhand für drei Abende statt einen ngagiert. Das hat mich gerettet. Er war ein wunderbarer Gastgeber. Es ist eine meiner schönsten Erinnerungen."

Stephen Yerkey, "Metaneonatureboy" (Echo/World's Fair; erhältlich via Internet und bei RecRec Records, Rotwandstrasse, Zürich)

Hanspeter Künzler, NZZ am Sonntag, 10. September 06

Zwei Konzerthinweise:

Das kleine & feine frankophile Festival im Theater Stok Zürich vom 13.-17. September 2006:

www.padampadam.org

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Samstag, 07.Oktober 2006, ab 17.00, Konzertbeginn 18.18 Uhr
El Lokal, Zürich, www.ellokal.ch
Tickets an der Abendkasse.

A hilarious evening with Hilarious LTD.
Rudolph "Hillary" Dietrich, guit., voc. (Nasal Boys, KdF, Blue China) Heinrich Heinricht, bass, voc. (KdF, Mothers Ruin, Captain Henry) Sara Schär, voc. (TNT, The Kick, Souldawn) Üse Hiestand, drums (F.D.P., Dressed Up Animals, Young Gods).
Plenty of smash hits from the urban swamps of Switzerland ! Celebrating the release of the 2CD "Sheer Hilariousness" by Rudolph "Hillary" Dietrich.