die andere Musik

   
Werte Gäste! Hi Folks! Liebe Freunde
Zürich, 4. September 2009

Bevor wir zur Berichterstattung vom "Konzert des Jahres" kommen, noch zwei Anmerkungen zu früheren Rundmails:

1) LASSE VIREN war 1972 an der Olympiade gedopt (wurde mir gleich von 2 Seiten zugetragen!). Also leider ist hier doch nichts mit Helden-Verehrung.

2) Das Buch des EELS-Sängers gibt es im Original zu 21.- Fr in der besten englischen Buchhandlung http://www.pileofbooks.ch/de/home/ , Zentralstr. 16, 8003 Zürich.

3) Wer kürzlich im Tages Anzeiger bloss die Ueberschrift "Zu lang, zu dünn und zu leise" über das Konzert von JELLO BIAFRA las, hat den falschen Eindruck erhalten. Kleine Lektion zum Thema "Manipulation im Journalismus". Bitte lest den Artikel nochmals mit meiner Wahl der Ueberschrift, auch aus dem Artikel gezogen. Mit bestem Dank an Autor Nick Joyce für den Abdruck.

Jello Biafra - Grandioser Showman der Gegenkultur
Zürich, Rote Fabrik. - Er ist auch nach drei Jahrzehnten im Dienst der Gegenkultur ein grandioser Showmann, beginnt jeden Song, als wolle er sich dafür warmlaufen, fuchtelt mit den Armen wie ein tollwütiger Pantomime und stürzt sich früh in die zunächst verdutzte und dann euphorische Menge: Der kalifornische Punk-Absurdist und Polit-Aktivist Jello Biafra, einst der Schreihals der wichtigen Dead Kennedys und nach langer Zeit als Spoken-Word-Künstler endlich wieder mit einer neuen Band unterwegs, den Guantanamo School Of Medicine. Trotz Biafras Charisma wird das Konzert vom Mittwoch nicht die Offenbarung, die sich die dicht Zusammengedrängten vor der Sommerbühne der Roten Fabrik herbeiwünschen. Dafür ist der Sound zu lang, zu dünn und zu leise. So entwickeln die ebenso hässlichen wie humoristischen Rocksongs wie «California Über Alles» und «Holiday In Cambodia» ihre ruppige Kraft erst gegen Schluss, als der Tontechniker den Dezibelpegel anhebt. Im Endspurt wird klar, wie dieser Auftritt gedacht war: als polemisch gespicktes Remmidemmi voller schneidender Stellungnahmen zu Arnold Schwarzeneggers Gefängnispolitik und George W. Bushs Verharmlosung der Folter. Nicht einmal für Barack Obama hat Biafra lobende Worte, im 44. Präsidenten der USA sieht er eher einen Hype als einen Hoffnungsträger. Von diesem nüchternen Fazit unbeirrt lässt er das Publikum miteiner Durchhalteparole zurück: Aufgeben sei keine Option, wiederholt Biafra mit evangelischer Strenge, müsse das gegenwärtige politische und moralische Vakuum eigentlich ein Ansporn zum Aktivismus sein. Hier profitiert der grandiose Showmann von seinen vielen Auftritten als Spoken-Word-Agitator, der problemlos ohne musikalische Rückendeckung auskommt. Schön wäre es dennoch gewesen, wenn der Sound von Anfang an mitgespielt hätte.
Nick Joyce (© Tages-Anzeiger; 28.08.2009; Seite 47)

Um es nochmals zu verdeutlichen: Für 90% des begeisterten Publikums an diesem grossartigen Open Air-Konzert am Zürichsee war es "die Offenbarung"! Seit Jahren habe ich kein dermasssen euphorisiertes und Generationen-übergreifendes Konzert mehr erlebt wie beim Zürcher Debut des Sängers der legendären Punkband DEAD KENNEDYS. Noch lange stand das Publikum auf dem Areal und vergewisserte sich gegenseitig die Einmaligkeit des Konzertes. Zu Vergleichen nur mit ähnlichen Auftritten von PATTI SMITH oder MC 5 in den letzten Jahren. JELLO BIAFRA besitzt die umwerfendste Charakterstimme der Punkgeschichte, die bewusst dosiert eingestreuten 3-4 Klassiker der DEAD KENNEDYS strahlten 30 Jahre nach ihrer Entstehung in alter Frische, ansonsten wurde allesamt neues Material gespielt des im November erscheinenden ersten Albums der GUANTANAMO SCHOOL OF MEDICINE.

Ein Bravourstück und höchst gelungener Ueberraschungscoup des Veranstalters ZIEGEL AU LAC (die Firma, die mich 1983 in die Selbstständigkeit ausspuckte- siehe Loop-Interview anbei! ).

Um den denkwürdigen Anlass noch zu unterstreichen, ist am selben Tag in Amerika der letzte der Kennedy-Brüder gestorben. Zufall?

4) Auch kein Zufall, dass MICHAEL JACKSON ausgerechnet am Tag gestorben ist, an dem REC REC-Begründer DANIEL WALDNER 50 Jahre alt geworden wäre. Wir gratulieren Autor HANSPETER KUENZLER zum grandiosen "Killerinstinkt" beim Verfassen der seit langem besten Biografie "Black & White", zurzeit an jedem Kiosk zu haben. Beim nächsten Zürcher Besuch bezahlt Düsi eine Runde ans ganze Haus :-)

5) Weitere News: Die remasterte BEATLES-Box mit 17 Alben wird am Freitag, 9. Sept 09 erwartet und kostet 380.- Fr. Alle Alben sind auch einzeln lieferbar auf Bestellung.
Das Domino-Label verwöhnt die ROBERT WYATT-Fans mit einer 10-CD Box für bloss 108.- Fr, mit sämtlichen Werken von 1974 bis 2008, inkl. der EP-Box.
Dominio wird am 18. September 09 auch sieben Klassiker von Songwriter TOWNES VAN ZANDT zum Midprice wieder zugänglich machen.
Vom genial-schrägen 70er Entertainer PETER IVERS (Autor des unheimlichen Liedes "In Heaven Everything Is Fine" aus dem ERASERHEAD-Filmklassiker) sind endlich 4 Alben auf CD lieferbar, damals auf Warner Brothers.
Vom raren Jazzklassiker "Freedom Now Suite/We Insist" (1960) mit MAX ROACH, ABBEY LINCOLN und OSCAR BROWN JR. konnte ich einen Restposten auf CD ergattern, kein anderer Anbieter hat sie!
BJOERK
hat eine fantastische 2CD/2DVD-Box "Voltaic" veröffentlicht, neben einer grossen Show in Paris sehen wir sie konzertant in einer Kirche von Island mit Cembalo begleitet, oder mit gemischtem Chor.
Das deutsche Werk ISLO MOB von 1984 gibt es endlich auf CD, ein glamouröses Konzeptalbum mit Beiträgen von PETER HAMMILL und den beiden Zürcherinnen PRISKA und MONIKA STREBEL.
Den neuen Soundtrack zum JIM JARMUSCH-Film "Limits Of Control" gibt es nur als Import mit "böse Buben"-Musik von BORIS, EARTH und SUNN))).
Die Zürcherin ANKA SCHMID hat ihren schönen Dokumentarfilm über die Regiesseurin ISA HESSE-RABINOVITCH auf DVD veröffentlicht, inkl. Originalfilmen von Issa Hesse als Bonus.
Das Genfer IMPERIAL TIGER IRCHESTRA sorgte am Zürcher Theater-Spektakel für Furuore, ihre vom äthiopischen Fieber infizierte entfesselte Musik ist ab sofort auf ihrer ersten CD im REC REC Shop erhältlich.
Die Autorin ERICA MATILE veröffentlicht am 7. September ihren Bestseller "Vom Fleck weg / Rund 1000 Tipps für unser tägliches Leben" (Salis Verlag) und wird auch hier zu 34.- Fr als aussermusikalische Geschenkidee aufliegen.

6) Der Emmentaler Akkordeonist WERNER AESCHBACHER hat soeben sein dritten Album veröffentlicht auf dem Label NARRESCHIFF / Chur (die ersten zwei CDs sind offiziell vergriffen, aber REC REC hat noch ein paar!). Anbei der Release-Text von BÄNZ FRIEDLI, mit herzlichem Dank dem Autor für den Abdruck.

7) ULI SCHUWEY & sein Team bringt wieder frankophone Klänge in die Limmatstadt, und zwar vom 15. - 20. September 2009. Siehe unter http://www.padampadam.ch

8) ROGER ZIEGLER & sein Team bringt am 6. Okt 09 das experimentelle LOU REED-Trio exklusiv in die Dampfzentrale Bern http://www.dampfzentrale.ch/de/index.html und heckt bereits das zweite SAINT GHETTO-Festival aus vom 27. - 29. Nov 09 mit sagenhaftem Programm (to be confirmed, wir werden darauf zurückkommen!).

Ein letzter Gruss an verstorbene Freunde & Weggefährten:
- HEINZ VETSCH, Musikfachhändler aus Buchs SG und grosser Kenner der "MIMI-Festival"-Szene, organisierte in der Ostschweiz Konzerte mit LARS HOLLMER u.a. - zuletzt engagiert in musikalischen Projekten mit PEENI WAALI http://www.mensch3000.ch/
- MARKUS LUCHSINGER, Künstlerischer Leiter des Theaters Chur, brachte im April 1986 erstmals NICO in die Schweiz (Schauspielhauskeller Zürich) und bleibt mir bestens in Erinnerung als Uebersetzer eines chaotisch verlaufenden Interviews mit JOHN CALE im Februar 1983 für DRS 3, zusammen mit Ernst Buchmüller & meiner Wenigkeit...
- MARTIN PEER, Fotograf und Mitbegründer der legendären Literaturzeitschrift AFFENSCHAUKEL, wunderschöne Nachrufe las ich unter http://www.kontrast.ch/peer.htm

Ich wiederhole das Zitat vom EELS-Sänger:
"Mittlerweile hatte ich mich wohl einigermassen daran gewöhnt, dass Leute starben. Ich kann aber nicht sagen, dass es einfacher wurde, nur weil es so oft passierte."

So! Bitte benützt die kommenden Wochen des "September-Lochs" (Post-Sommerferien-Portemonnaie-Pleite) für ungehinderten Zugang zu meinem Shop (50% Anteil am Umsatz), dem Online-Portal (25% Anteil am Umsatz) www.recrec-shop.ch oder dem Schallplatten-Antiquariat (25% Anteil am Umsatz), alles kann auch auf Rechnung mit 30 Tagen Zahlungsfrist bezogen werden. Denn vom 6. bis 17. Oktober bin ich wieder auf Weiterbildungs-Urlaub und möchte darüber dann keine Klagen hören:-)

Herzliche Grüsse, Veit F. Stauffer