die andere Musik

   
Saludos Amigos!
Zürich, 5. Dezember 2009

"Die Menschen erwerben Diplome und verlieren ihren Instinkt" FRANCIS PICABIA

wir nähern uns dem Endspurt, die letzten News des Jahres liegen als PDF anbei, die Ernte von Oktober/November 2009. Und heute habe ich noch eine kleine Bestsellerliste zusammengestellt. Der grosse, verblüffende Sieger heisst ANTONIO SOLER und wurde vor 280 Jahren in Spanien geboren, seine erfolgreiche Interpretin VIVIANA GALLI lebt in Zürich und sucht weitere Auftrittsorte, um das Programm 2010 nochmals aufzuführen! HAZMAT MODINE und SOPHIE HUNGER und ANALOGIK konnten ihre guten Verkäufe von 2008 bestätigen.
Zurecht auf dem dritten Platz ist das Debut von LONELY DRIFTER KAREN, einem Trio aus Barcelona. Aber lest selbst & lasst Euch für Geschenke inspirieren....

Bestseller 2009 (* = mit Anteil von Vinyl-Umsätzen)
76x ANTONIO SOLER - Musica Per Pianoforte (Viviana Galli)
70x HAZMAT MODINE - Bahamut
65x LONELY DRIFTER KAREN - Grass Is Singing
59x SOPHIE HUNGER - Monday's Ghost*
56x LHASA - Lhasa*
44x PJ HARVEY - A Woman/A Man Walked By*
40x ANALOGIK - Klunserbeats*
39x ANTONY - Crying Light*
38x STILLER HAS - So Verdorbe
36x STAHLBERGER - Rägebogesiedlig
34x AKI KAURISMÄKI - Jukebox/2CD
31x ANALOGIK - Soens Folk*
29x CLAUDE CHALHOUB - Diwan
27x PIERRE OMER - See What's Hidden*
27x SMOG/BILL CALLAHAN - Sometimes..*
24x ALELA DIANE - To Be Still*
23x ALELA DIANE - Pirate's Gospel*
22x BIG ZIS - Und Jetzt...
22x EELS - Hombre Lobo*
22x SONIC YOUTH - Eternal*
20x BEATLES - Box
20x BOB DYLAN - Together Through Life*
20x SOPHIE HUNGER - Sketches On Sea
19x BONNIE PRINCE BILLIE - Beware*
19x BRATKO BIBIC - Live At Alpentöne
19x MARIANNE FAITHFUL - Easy Come, Easy Go*
17x NINA SIMONE - To Be Free/3CD-Anthology
16x WERNER AESCHBACHER - Aeschbacher X Solo
16x EVELINN TROUBLE - Arbitrary Act
14x PJ HARVEY - White Chalk
14x STAFF BENDA BILILI - Tres, Tres Fort
13x BANDA OLIFANTE - Banda Olifante
13x ELEMENT OF CRIME - Immer da wo du bist*
13x VARIOUS ARTISTS - Dark Was The Night
13x VARIOUS ARTISTS - Roll Your Moneymaker*
13x CHRISTIAN ZEHNDER - Kraah
12x AMADOU & MARIAM - Welcome To Mali
12x MULATU ASTATKE - & Heliocentrics
12x FRANCOIS BREUT - A L'Aveglette
12x LEONARD COHEN - Live In London
12x COMUS/ROGER WOOTTON & PIU - Cut The Air At Mello Club*
12x GRABER - Tot Gesagt
12x ELENI MANDELL - Artificial Fire
12x VARIOUS ARTISTS - People Take Warning 3CD (Linernotes: Tom Waits)
12x YELLO - Touch Yello
11x VIC CHESNUTT - At The Cut*
11x GUSTAV - Verlass die Stadt*
10x CULTURCIDE - Tacky Souvenirs
10x DEAD WEATHER - Horehound*
10x DISCO DOOM - Dream Electric*
10x JON HASSELL - Last Night The Moon...
10x KASBAH ROCKERS - With Bill Laswell
10x TOM WAITS - Glitter & Doom/Live*
9x ANOUAR BRAHEM - Astounding Eyes Of Rita
9x DISTELMEYER - Heavy
9x ELYSIAN FIELDS - The Afterlife
9x MAX LÄSSER - Überländler
9x MADELEINE PEYROUX - Bare Bones
9x 17 HIPPIES - El Dorado
9x SOAP & SKIN - Lovetune For Vacuum
9x TORTOISE - Beacons Of Ancestorship
9x JAH WOBBLE - Chinese Dub
9x VARIOUS ARTISTS - Motown's Top 50/2CD
Im weiteren empfehle ich den schönen Film "ROCKSTEADY/The Roots Of Reggae"" von STASCHA BADER, gedreht auf Jamaica. Aktuell in den Kinos (Flyer anbei) und soeben ist auch der Soundtrack dazu (32.- Fr auf Moll-Selecta) eingetroffen, feat. MARCIA GRIFFITHS, JUDY MOWATT, HOPETON LEWIS, U-ROY u.a.
Was andere zum Film sagen: Zürcher Filmpreis 2009 / Sehr herzerwärmend! Polo Hofer / Man höre und staune und lehne sich zurück. Berner Zeitung / The Globe / Übertrifft Buena Vista Social Club! Solidatiré Vivante / Einer der besten Filme über jamaikanische Musik. The Hour / A must-see film. The Gazette / Ich bekam Hühnerhautattacken. Phenomden / It's not a documentary - it's a movie! Ken Boothe
Anbei noch der aktuellste Bericht zu "30 Jahre REC REC", ein Portrait vom umtriebigen Schweizer Jazzmagazin "Jazz'n'More".... Ich bedanke mich bei allen für die spezielle Aufmerksamkeit im Jubiläumsjahr 2009, Euer Support ist Gold wert! Die Musikbranche ist nach wie vor im Umbruch, aber vom Tod der CD zu sprechen ist absolut verfrüht. Auch dass angeblich immer weniger "gute Musik" veröffentlicht wird, muss man heftigst dementieren. Aber manche Veröffentlichung schafft es hier kaum auf 2-3 Umsätze... Ich sehe bereits einen kommenden neuen Bestseller auf uns zukommen: RUPA & THE APRIL FISHES ist musikalisch verwandt mit HAZMAT MODINE, und die spanisch singende Leaderin wird all die Leute verwöhnen, die damals das Debut von LHASA hinauf und hinunter gehört haben....
Bis zum Sylvester 31. Dezember ist der Laden normal geöffnet, danach gibt es eine kurze Verschnaufpause und ab Dienstag, 12. Januar 2010 begrüsse ich Euch dann wieder in die letzte Runde der so aberwitzig genannten "Nullerjahre". Im 2011 beginnt ja bereits das neue Jahrzehnt! Haltet die Ohren steif!

Herzliche Grüsse, Veit

Dieses Rundmail enthält zwei versteckte "Hiddentracks":
Zum einen einen Ausschnitt des Tagebuchs von Illustratorin KATI RICKENBACH, als der REC REC Shop die "Coverversion" eines SONIC YOUTH-Umschlags von ihr ersteigerte (siehe Anhang 4) - zum zweiten ein Vorabdruck von zwei Rezensionen, die ich für für ein kommendes Website-Magazin schrieb genannt "Neuland", auf Initiative von Dani Hitzig und Anita Hugi: BEATLES - zur aktuellen Box der "Pilzköpfe" aus Liverpool
In meiner Kindheit wurde ich um 1966 tüchtig mit den BEATLES eingeseift, und das kam so: mein Vater hatte ein halbes Jahr in Südengland an einer Kunstschule unterrichtet (Bournemouth) und lernte dort den sympathischen Pop Art-Maler MICHAEL SIMPSON kennen, der uns handkehrum für einige Wochen in unserem geräumigen Haus mit Garten in Zürich-Seebach besuchte. Zu meiner Verblüffung hatte sich "Mäiggel" (wie wir drei Kinder ihn schnell liebevoll anzureden pflegten) eines Tages in unserer grossen Wohnstube, dem Eingangsportal mit Pinsel und Palette eingerichtet. Unsere Wohnung hatte einen einigermassen originellen Grundriss, ein mehrfach umgebautes Bauernhaus von 1567, wie archälogische Untersuchungen 1993 ergaben. Wenn ich heute damalige Fotos betrachte, dann hätte Michael Simpson in der äusserlichen Erscheinung durchwegs als "fünfter Beatle" durchgehen können. Und zu seinen zahlreichen Gemälden der "Pop Art" liess Michael nur einen einzigen Soundtrack gelten: "A Hard Day's Night" (Juli 1964), "Beatles For Sale" (December 1964), und "Rubber Soul" (December 1965) - also Album No. 3,4 und 6 der BEATLES. Diese drei Alben kann ich auch heute noch mit nostalgischer Begeisterung durchhören, die musikalischen Fortschritte bei "Rubber Soul" sind unüberhörbar, was sich in den Melodien und Arrangements bemerkbar macht. Der Zufall wollte es, dass damals die wichtigen Schlüsselalben "Revolver" (August 1966) und "White Album" (November 68) nicht den Weg in unseren Haushalt fanden. Spätere Versuche misslangen, dies nachzuholen. Die angeblich revolutionären Experimente fand ich im Vergleich mit den Alben von YOKO ONO, die mich ab 1977 begeisterten, seltsam blass. Aber Album 8 "Sgt.Peppers Lonely Hearts Club Band" (June 1967) und Album 11 "Abbey Road" (September 1969) wurden kaum erschienen, auch in Seebach abgefeiert. Ab 1970 entdeckte ich durch erste Singlekäufe im Jelmoli oder Globus das Universum der Schweizer Hitparade, "My Sweet Lord" von GEORGE HARRISON und "Mother" von JOHN LENNON gehörten dazu. Als mein Vater hörte, wie ich gemeinsam mit meinem besten Freund Heinz über die B-Seite "Why" von YOKO ONO lästerte, schritt er umgehend mit einer erzieherischen Massname ein, sozusagen mit dem Gegenteil von "Grenzen setzen". Mit zwei, drei Sätzen hat er meine zukünftige Betrachtungsweise der Musik nachhaltig beeinflusst. An den genauen Inhalt kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Die vorliegende remasterte 14 CD-Box war längstens überfällig, hätte bereits mitte der 90er Jahre gepasst, als professionelle CD-Masterings von früheren Werken zum Alltag wurden. Ab 1983 wurden zahlreiche Alben zur reinen Geldmache in mieserabler Qualität angeboten, oftmals sah man das bereits an den flüchtig kleinkopierten Bildhüllen, die aussahen wie Bootlegs. In Anlehnung an ein Buch von LSD-Entdecker Albert Hofmann hätte heute ein Buch eines Kadermitglieds der Firma mit dem Titel "EMI mein Sorgenkind" hohe Absatzchancen. Die einstmals stolze britische Musikfirma ist ein Schatten seiner selbst. Am Erscheinungstag 9. September 2009 konnte in der Schweiz nur ein Bruchteil der bestellten Boxen ausgeliefert werden. Die zuständige Chefin der Auslieferfirma schrieb mir mit lakonischem Humor: "Ich bin seit ca. 7h30 nonstop am Telefon wegen den Pilzköpfen ;O)".

BJOERK - "Voltaic" (2CD/2DVD, Universal) Ein visionäres Gesamtkunstwerk
Diese preisgünstige Box dokumentiert das eindrücklich visionäre Werk der isländischen Sängerin und Klangmagierin BJOERK. Begonnen hatte sie mit den Post Punk-Bands KUKL und SUGARCUBES, deutlich beeinflusst von der britischen Gothik-Band SIOUXSIE & THE BANSHEES. Bereits damals erstaunte ihre markante Stimme, die vom Flüstern bis zum kontrolliert eingesetzten Schrei alle Facetten einer weiblichen Stimme abdeckte. Bis heute hat sie ihre exzentrischen Fähigkeiten zu einer verblüffenden Meisterschaft perfektioniert. Absolut sehenswert ist die DVD mit einem Auftritt mit grossem Ensemble in Paris im Olympia Juni 2008, vor einem begeisterten Publikum. Im besten Sinne von zappaesker Virtuosität ist ihre Beherrschung der ganzen Klangpalette einer heutigen Bigband. Neben der 4-köpfigen Band sehen wir die 10-köpfige Bläsergruppe in Aktion mit Posaunen, Trompeten, French Horn und Tuba. Das ganze wirkt wie eine unberechenbare, surreale, perfekt inszenierte "Walt Disney"-Produktion. BJOERK erinnert mit ihrer Performance an zahlreiche Vorläuferinnen oder Zeitgenossen wie Laurie Anderson, Kate Bush, Siouxsie, die Basler Reines Prochaines - oder an die bald 80jährige Gong-Sängerin & Märchenerzählerin Gilli Smyth. BJOERK ist innovativ und erfolgreich, messerscharf akzentuiert sie die Schönheit einer zärtlichen Melodie oder den Groove von trip-hopigem Dancefloor. Sozusagen die Kammermusik-Version derselben Medaille inszeniert BJOERK im zweiten Teil, aufgenommen im August 2007 in einer isländischen Kirche. Begleitet von einem Cembalo und gemischtem Chor, ganz anders geschminkt und gekleidet, überzeugt ihre Stimme auch in diesem intimen Setting. Eine charmante und verschmitzte Entertainerin, die mit ihrem Tiefgang zuweilen ganz schön viel von uns abfordert.