die andere Musik

   
Dear Friends
Zürich, 1. Februar 2011

willkommen in der nächsten Runde atemberaubender musikalischer Entdeckungen!

Das Jahr 2011 hat stark begonnen und hält uns bestens auf Trab...
Zuerst meinen anekdotenreichen Nachruf auf eine ganz grosse Figur des REC REC-Sortiments, kürzlich erschienen im www.neuland-mag.net No. 3, kuratiert von Dani Hitzig.
Ewig: CAPTAIN BEEFHEART alias DON VAN VLIET (15.1.1941–17.12.2010) Ers¬te Sze¬ne: Im Ja¬nu¬ar 1975 be¬glei¬te ich mei¬nen Va¬ter zu ei¬nem Ate¬lier¬be¬such beim Zür¬cher Künst¬ler An-ton Bru¬hin, der als gros¬ser Beefhe¬art-Fan gilt. Er ist vom ak¬tu¬el¬len Al¬bum «Un¬con¬di¬tio¬nal¬ly Gua¬ran¬te¬ed» (1974) der¬mas¬sen ent¬täuscht, dass er es uns gleich zum Ge¬schenk gibt. In¬ner¬halb von neun Mo¬na¬ten samm¬le ich die frü¬he¬ren Al¬ben von Beef¬heart, de¬ren ich hab¬haft wer¬den kann. Ei¬ne Ent¬täu¬schung wird hin-ge¬gen das gross an¬ge¬kün¬dig¬te Zap¬pa/Beefhe¬art-Al¬bum «Bon¬go Fu¬ry» (1975), weil es nur zwei Beefhe¬art-Tracks ent¬hält. Und wa¬rum blickt der Cap¬tain im Co¬ver¬fo¬to zu Bo¬den? Zwei¬te Sze¬ne: März 1977, zu dritt fah¬ren wir im Au¬to durchs Ber¬ner Ober¬land zu den «Spiez-Bür¬gern», bei de¬nen mein Va¬ter ei¬nen Kunst¬vor-trag hält. Mein Schwa¬ger spielt ei¬ne Kas¬set¬te. Mi¬nu¬ten¬lang lau¬sche ich fas¬zi¬nie¬ren¬den In¬stru¬men¬tal-Tracks im West¬coast-Sound. Wäh¬rend ich dar¬über brü¬te, ob es nun Jef¬fer¬son Air¬plane, Gra¬te¬ful Dead oder Quick¬silver Mes¬sen¬ger Ser¬vice sind, setzt plötz¬lich die cha¬ris¬ma¬ti¬sche Stim¬me von Beefhe¬art ein. Es war das fan¬tas¬ti¬sche «Kan¬dy Korn» aus dem zwei¬ten Beefhe¬art-Al¬bum «Mir¬ror Man» von 1967. Drit¬te Sze¬ne: Der gran¬dio¬se Alt-Hip¬pie-Strei¬fen «The Big Le¬bow¬ski» (1999) der Co¬en-Brü¬der bril¬liert auch mit ei¬nem ge-nia¬len Sound¬track. Mit dem Track «Her Eyes Are A Blue Mil¬li¬on Mi¬les» von 1972 («Cle¬ar Spot») wird Beefhe¬art auch ei¬nem jün¬ge¬ren Pu¬bli¬kum be¬kannt und die ge¬mäs¬sig¬te, zu¬wei¬len fast schmal¬zi¬ge Pha¬se sei¬ner mitt¬le¬ren Kar¬rie¬re re¬ha¬bi¬li¬tiert. Zahl¬rei¬che Nach¬ru¬fe er¬wäh¬nen das vi¬sio¬nä¬re Schlüs¬sel¬al¬bum «Trout Mask Re¬p¬li¬ca» von 1969. Mit Recht, denn die vier¬te Sze¬ne geht fol¬gen¬der¬mas¬sen: Am 25. Ju¬ni 1977 schen¬ke ich mei¬nem Freund Da¬ni¬el Wald-ner (1959–1995, Mit¬be¬grün¬der von Rec Rec Zü¬rich) zu sei¬nem 18. Ge¬burts¬tag ei¬ne Kas¬set¬te mit dem völ¬lig über¬dreh¬ten, da¬da¬is¬ti¬schen Track «The Blimp» aus eben die¬sem Al¬bum: 22x hin¬ter¬ein¬an¬der, 45 Mi¬nu¬ten lang. Als Ein¬stieg in das Werk des Cap¬ta¬ins emp¬feh¬le ich je¬doch das Al¬bum da¬vor, «Strict¬ly Per¬so¬nal» (1968), so¬wie das Al¬bum da¬nach, «Lick My De¬cals Off, Ba¬by» (1970). Aber auch mit dem blue¬si¬gen De-but «Safe As Milk» (1967, fe¬at. Ry Coo¬der) lässt sich bes¬tens ein¬stei¬gen, wie auch mit dem vi¬ta¬len letz¬ten Werk «Ice Cream For Crow», das erst¬mals den jun¬gen Gi¬tar¬ris¬ten Ga¬ry Lu¬cas ins Ram¬pen¬licht stell¬te, für die¬sen war die Be¬geg¬nung mit Don Van Vliet ein blei¬ben¬der In¬put. Beefhe¬art war mit sei¬nem trashi¬gen Blues-Ap¬proach für die Punk- und New Wa¬ve-Sze¬ne ab 1977 fast so wich¬tig wie The Stoo¬ges oder MC5. Die¬se Bands tru¬gen das Beefhe¬art-Vi¬rus in die wei¬te Welt hin¬aus: Pe¬re Ubu, Half Ja¬pa¬ne¬se, Re¬si¬dents, The Fall, Swell Maps, Birth¬day Par¬ty fe¬at. Nick Ca¬ve, Scrit¬ti Po¬lit¬ti, Pa¬lais Schaum¬burg, Etron Fou Le¬lou-blan, Red Krayo¬la, XTC, Cramps, The Ex – so¬wie 15 Jah¬re spä¬ter auch P.J. Har¬vey, Whi¬te Stri¬pes, Kills und Beck. Don Van Vliet hat sich nach 1982 ra¬di¬kal aus der Mu¬sik¬sze¬ne zu¬rück¬ge¬zo¬gen, wid¬me¬te sich mit mar¬kan¬ten Re¬sul¬ta¬ten der Ma¬le¬rei. Am 17. De¬zem¬ber 2010 ist er nach lan¬gem Lei¬den an Mul¬ti¬pler Skle¬ro¬se ge¬stor¬ben. Ei¬ne Fuss¬no¬te: Die schöns¬te Um¬schrei¬bung der fra¬gi¬len Erd¬ku¬gel ent¬deck¬te ich auf ei¬ner War¬ner Bro-thers-Com¬pi¬la¬ti¬on von 1972. Auf der Rück¬sei¬te ist ei¬ne Farb¬fo¬to der Er¬de ab¬ge¬druckt, mit fol¬gen¬der Le-gen¬de: «Cap¬tain Beefhe¬art calls it God's Golf¬ball».

VERANSTALTUNGSHINWEISE im Februar 2011:
VINICIO CAPOSSELA, Dienstag 8. Februar 2011 im Kaufleuten Zürich, 20h00 http://www.allblues.ch/ Fast zwingend für Freunde der ausgefallenen Klänge, seit 1999 im Sortiment von Rec Rec, eine ganz grosse Figur der grenzüberschreitenden Musik aus Europa. Drei Stichworte: für Fans der opulenten NINO ROTA-Filmsoundtracks in zahlreichen Fellini-Filmen, mitreissenden BALKAN-Bläsersatzen sowie für all jene Menschen, die seit Jahren darüber jammern, dass TOM WAITS noch nie in der Schweiz gespielt hat...

Vermutlich eines der abgefahrensten Konzerte in der Schweiz 2011! TIMBER TIMBRE, Donnerstag, 10. Februar 2011 im Palace St. Gallen, 21h30 http://www.palace.sg/ Da sind sie endlich, nach dem ausgefallenen Konzert letzten November, das Medikament aus Kanada namens TIMBER TIMBRE... und weil Veit dermassen viel Werbung für diese geniale Songwriter-Scheibe gemacht hat, wurde er von den Veranstaltern gleich noch als DJ SPEED 13 engagiert: geplant ist je eine Stunde vor und nach dem Konzert, aus seiner exklusiven 45 Touren 7" - Kollektion...

THE FALL
Freitag, 11. Februar im Salzhaus Winterthur, 20h00 http://www.salzhaus.ch/ Support: CIRCLE BROTHERS. Nach ihrem phänomenalen Gastspiel in der Berner Dampfzentrale (Nov 2010) wird gleich nachgedoppelt im Kanton Zürich.

AERONAUTEN, WHAT'S WRONG WITH US, DJ SOULSONIC, STEFAN HEUSS
etc. am Freitag / Samstag 11./12. Februar im Moods http://www.moods.ch/ -

das Kuenschtli.ch-Label wird vom Helsinkiklub im Moods an zwei Abenden präsentiert MARIA GASCHE, Sonntag, 13. Februar 2011 im Bundeshaus Zürich, 19h00 http://bundesrat.feinheit.ch/ Nach zwei Lesungen im engsten Freundeskreis, nun erstmals öffentlich ! GESCHICHTEN um Sieben Maria Gasche erfindet und erzählt. einsteigen und mitreisen... Und weils schön passt gibt's fein Kuchen...

IRON & WINE
, Sonntag, 13. Februar 2011 im El Lokal Zürich 20h20 http://www.ellokal.ch/ Zunehmend werden im El Lokal auch grössere Konzerte veranstaltet, auf der Bühne nebenan. Nach Amparo Sanchez und Residents nun auch IRON & WINE...

CIBELLE
, Mittwoch 23. Februar 2011 im Bee-Flat Bern, 20h30 http://www.bee-flat.ch/ Das dritte und bisher ausgereifteste Album (auf Crammed) im Gepäck, erstes Schweizer Konzert der Brasilianerin. Bezaubernde Sängerin, irgendwo zwischen Bjoerk, Lonely Drifter Karen und Lhasa...

THE WIRE, Mittwoch 23. Februar 2011 im Abart Zürich, 21h00 http://www.abart.ch/ Mit frischem Album im Gepäck, die unverwüstlichen WIRE, endlich wieder mal in Zürich.

Ein paar aktuelle Kurztipps:

ANIKA
"Anika" Produziert von Geoff Barrow (Portishead), schönes Dub-Album mit Sängerin Anika, welches klingt wie zu Beginn der 80er: Malaria, Annie Anxiety, Slits, Hermine und Nico kommen einem in den Sinn, sowie die Produktionstechnik des Onu Sound-Labels

THE BOOKS "Way Out" Spannendes viertes Album des Duos aus New York, intelligente Montagetechnik, virtuose Schnipsel, zT. aus Filmsoundtracks gesampelt.... abstrakte Elektronik, aber auch mit Gesang, bis hin zu Beach Boys-Anklängen.... das beste auf diesem Gebiet seit den legendären Negativland....

FLYING LIZARDS "Flying Lizards / Fourth Wall" (2CD) Endlich offiziell auf CD lieferbar: zwei wichtige Meilensteine der früher 80er Jahre, aus dem Hause David Cunningham. Das erste Album war viel bekannter damals, mit zahlreichen Single-Veröffentlichungen, inkl. "Summertime Blues" und "Mandelay Song", genialer Cheap-Trash mit Sängerin Patti Palladin.... Kultivierter ist das Meisterwerk "Fourth Wall" mit hochkarätiger Gästeschar: Robert Fripp, Michael Nyman, Steve Beresford, Peter Gordon, Gareth Sager.... Ein zeitloses Album welches heute noch verblüfft!

RACHEL GRIMES "Boo Of Leaves" For Solo Piano. Unvergessen sind die ersten drei Alben der Gruppe Rachel's zwischen 1995-96 auf dem Label Quartersticks in schönen Digipaks: Handwriting, Music For Egon Schiele, The Sea & The Bells....Ein Ensemble mit bis zu 12 Leuten und zahlreichen Streichern... Nach langer Pause veröffentlicht die Pianistin Rachel Grimes nun ihr erstes, sehr elegantes Soloalbum auf kleinem Label, für alle Spät-Romantiker/innen unter uns! Anklänge an Erik Satie oder Eno / Budd, eine Prise Keith Jarrett, aber vor allem: Rachel Grimes... www.rachelgrimespiano.com

JOAN AS POLICE WOMAN
"Deep Field" Das dritte und beste Album von Joan Wasser, zumindest was die Expressivität betrifft. So kraftvoll haben wir Joan bisher nur an den Konzerten erlebt, in Zürich und Luzern, das nächste Gastspiel findet am Mittwoch, 2. März 2011 im Palace St. Gallen statt, wenn es klappt wieder mit DJ Speed 13...

AXEL KRYGIER "Presebre" (dieser Text erschien neulich im Neuland-Magazin) Ein ty¬pi¬sche Ent¬de¬ckung des bel¬gi¬schen Cram¬med-La¬bels. Das eu¬ro¬päi¬sche Début des Ar¬gen¬ti¬ni¬ers Axel Kry¬gier (*1969), der seit 1999 be¬reits drei Al¬ben ver¬öf¬f¬ent¬licht, Mu¬sik für Fil¬me und Thea¬ter ge¬schrie¬ben hat und auf zahl¬rei¬chen Com¬pi¬la¬ti¬ons ver¬tre¬ten ist. Der Sän¬ger und Mul¬ti-In¬stru¬men¬ta¬list Kry¬gier spielt Key-boards (Ak¬kor¬de¬on, Pia¬no, Or¬gel, Moog, Fen¬der Rho¬des, Cla¬vi¬net), Blas¬in¬stru¬men¬te (Trom¬pe¬te, Kla¬ri¬net-te, Flö¬te), Bass, Per¬kus¬si¬on und lässt sich da¬bei von Fer¬nan¬do Sa¬ma¬lea (Drums) und Lu¬cas To¬ti¬no (Sli¬de Gui¬tar) be¬glei¬ten. Sein far¬bi¬ge Mix¬tur lebt an der Schnitt¬stel¬le von Jazz, Elek¬tro¬nik und Glo¬ba¬lis¬ta und lässt sich mit der Mu¬sik der jun¬gen Dä¬nen von Ana¬lo¬gik oder dem Klang¬zau¬be¬rer Jun Miya¬ke aus Ja¬pan ver¬glei¬chen. Als Kurz¬for¬mel kä¬me auch «Ma¬nu Chao meets Ji¬mi Te¬nor» in Fra¬ge, be¬stimmt kennt Axel auch die me¬xi¬ka¬ni¬sche «Space Age Pop-Le¬gen¬de» Es¬qui¬vel (1918–2002) oder den un¬ver¬gess¬li¬chen Film-kom¬po¬nis¬ten Ni¬no Rota (1911–79). Kurz, in¬tel¬li¬gen¬te Pop¬mu¬sik, die uns mit ver¬spiel¬tem Kön¬nen, schalk-haf¬tem Hu¬mor und un¬ver¬krampf¬ter Viel¬falt ver¬wöhnt.

PETER LIECHTI "Sound Of Insects - Record Of A Mummy" DVD Sehr eindrücklicher und starker Experimentalfilm von Peter Liechti, mit kongenialer Musik von Norbert Möslang. Die Geschichte eines ca. 40 jährigen Schweizers, der sich im tiefsten Wald in einem Zelt durch Verhungern das Leben nahm, und dazu Tagebuch schrieb...

LILAS MARSEILLE
"L'Amour L'Amer La Mort" Schöner als die Selbstdarstellung der Band kann man es nicht sagen: "Niemand macht ein Geheimnis daraus, dass alle schönen Lieder dieser Welt längst ersonnen und gesungen sind. Doch die Musikanten von Zugluft und Naturbreit haben die Zürcher Sängerin Ines Florin dazu angestiftet, eigene Lieder zu schreiben. So bringt die Geburtsstunde von Les Lilas Marseille ein Sammelsurium aus melodramatischen Seemannsliedern, mörderischen Chansons und etwas süsser Hinterhof-Romantik zutage. Mal stirbt ein Seemann, mal mordet die betrogene Braut, mal gibt es Hoffnung, doch meistens nicht – kurz – auf der ersten CD von Les Lilas Marseille lassen einige ihr Leben. Begleitet wird das Liedgut rund um Dramen, die das Leben für uns erfindet, von einer begnadeten Crew: An Bord sind Jonas Guggenheim an Akkordeon, Xylophon, Glockenspiel und Klavier, Bruno Strüby an Bassklarinette, Klarinette und Banjo, Philip Lenzlinger am Schlagzeug und Andrea Kirchhofer an der Geige."

MAARTES TANGO TRIO
"En Que Quedamos" (24.- Fr/Eigenlabel Zaak!) Die neuste Tangoband des Basler Bandoneonisten Raphael Reber (ex- Estufa Caliente) sowie des Pianisten Roger Helou, plus Gastgitarrist Cesar Nigro. Der richtige Sound, um unter der Nebeldecke hochkonzentrierte Arbeit zu verrichten, sozusagen Meditationsmusik hoch Zehn.

THOMAS REHNERT "Okkupation"

TEODORA STEPANCIC & MARTIN LORENZ "Signs-Shapes" Zwei spannende Produktionen der frisch gestarteten Edition www.dumpf.com beheimatet in Zürich und Berlin, kürzlich in der Perla Mode dem Publikum vorgestellt. "Okkupation" ist das eindrückliche Debut des Berliners Thomas Rehnert, ein intelligenter Virtuose auf dem analogen Synthesizer, beruhend auf jahrelangen Studien der zeitgenössischen wie improvisierten Musik. Stepanic & Lorenz entwickeln sozusagen Ambient-Musik mit "Clicks", famos wie das ruhige Klavier mit zahlreichen präparierten Schallplatten zusammenschmilzt, die jeweils in der Rille hängenbleiben. Es überrascht uns auch nicht, wie im Tr. 2 ein Zitat aus "O Cure Me" vom ersten Album der Cassiber 1982 (feat. Chris Cutler und Heiner Goebbels) sich nahtlos in den Sound einwebt.

VAN DYKE PARKS presents: The ESSO TRINIDAD STEELBAND, CD & DVD Köstliches Dokument der besten Steelband aller Zeiten, gastierten auf "Discover America" (1972) bei Van Dyke Parks, der ihr Debut von 1971 für Warner Brothers produzierte.... Wiederveröffentlichung des Albums auf CD, sowie als Bonus einen 35-minütigen Dokfilm von einer Tour im Bandbus. Schönes Digipak mit Booklet.

VARIOUS ARTISTS: AFRICA 50 YEARS OF MUSIC 1960-2010
/ 18 CD-Box / 140.- Fr "50 Years Of Independence" - Eine fantastische 18 CD-Box mit Musik aus allen afrikanischen Regionen, mit dickem Booklet auf englisch/französisch.

ZAZ "Zaz" Aufgrund von Publikumshinweisen entdeckt: eine junge französische Chanteuse, auf den Spuren von Edith Piaf.

LULA PENA "Troubadour", 2010 (auch dieser Text erschien zuerst im Neuland-Magazin) «My fa¬vou¬rite ‹new› sin¬ger of the¬se past weeks is Lu¬la Pe¬na. A Por¬tu¬gue¬se sin¬ger with a de¬ep voice and an am¬p¬li¬fied gui¬tar thats sings just li¬ke a po¬et.» (Cae¬ta¬no Ve¬lo¬so, am 12. Fe¬bru¬ar 2009 in sei¬nem lei¬der schon län¬ger nicht mehr ge¬pfleg¬ten «Obra Em Pro¬gres¬so»-Blog) Sanft wie ein Schlaf¬lied be¬ginnt die Gi¬tar¬re, dann durch¬dringt ei¬ne kräf¬ti¬ge, dunk¬le süd¬län¬di¬sche Stim¬me den Raum und fes¬selt auf ein¬zig¬ar¬ti¬ge Wei¬se. Die Grund¬stim¬mung ist re¬la¬tiv nüch¬tern, von kar¬ger Schön-heit, wird aber zu¬neh¬mend warm und raum¬fül¬lend. Das Ju¬bi¬lie¬ren über¬lässt die aus Lis¬sa¬bon stam¬men¬de Lu¬la Pe¬na den ge¬bann¬ten Zu¬hö¬re¬rIn¬nen. Ihr ers¬tes Al¬bum «Pha¬dos», 1998 auf dem bel¬gi¬schen La¬bel «Car-bon» er¬schie¬nen, ver¬brei¬te¬te sich dank Mund¬pro¬pa¬gan¬da auch in der Schweiz, hier auf¬ge¬tre¬ten ist die Fa-do-Sän¬ge¬rin lei¬der noch nie. Nach¬dem die da¬mals 24-jäh¬ri¬ge auf dem De¬but auch Stü¬cke von Cae¬ta¬no Ve¬lo¬so, Chi¬co Buar¬que und Ma¬ria Te¬re¬sa Car¬val¬ho co¬ver¬te, sind die 7 neu¬en Stü¬cke auf «Trou¬ba¬dour» al-les Ei¬gen¬kom¬po¬si¬tio¬nen, schlicht «Ac¬to I» bis «Ac¬to VII» be¬ti¬telt. Wer auf¬merk¬sam zu¬hört, wird beim drit-ten Stück kurz ei¬ne vor¬bei¬hu¬schen¬de Me¬lo¬die aus «Things we said to¬day» (1964) der Beat¬les wahr¬neh-men. Fa¬do aus dem Wohn¬zim¬mer, von aus¬ser¬ge¬wöhn¬li¬cher In¬ten¬si¬tät. Kein Zwei¬fel, die Por¬tu¬gie¬sin hat auch in un¬se¬ren Brei¬ten¬gra¬den ein grös¬se¬res Pu¬bli¬kum ver¬dient.

Herzliche Grüsse, Veit 1. Februar 2011

zum Schluss noch ein weiterer Gastbeitrag von Diana Zucca: Regina Spektor - "Live In London"
Katzenhaft geschmeidig und gefährlich gescheit Wie ein Vampir sehe sie aus auf dem Cover ihres brandneuen Albums "Live in London", moniert ein Fan. Und findet's schade um die schöne Frau. Zugegeben, das Foto ist speziell. Aus pechschwarzem Hintergrund grinst einem Reginas breiter, knallroter Mund entgegen, ihr Teint ist bläulich blass. Die grossen, wasserhellen Augen, die einen sonst mit herausforderndem Schalk anschauen, sind etwas zusammengekniffen, ihre Hände halten das Mikrofon umklammert. Das Album wurde im Dezember 2009 während ihres Auftrittes im Hammersmith Apollo Theatre in London aufgenommen, unter britischen Wetterverhältnissen notabene, was zumindest den blassen Teint erklärt. Ansonsten braucht bei der amerikanischen Sängerin und Songwriterin mit den russischen Wurzeln gar nichts erklärt zu werden. Zu breit ist ihr Spektrum, zu eigen ihr Stil, der mitunter auch als "typische New Yorker Anomalie" bezeichnet wird. Und erfrischend normal wirkt, verglichen mit den absurden Klonen des Mainstream-Pop. Der Werdegang der Sängerin und Pianistin beweist Talent wie auch Beharrlichkeit. Aufgrund des Antisemitismus in der Sowjetunion wandern ihre jüdischen Eltern Ende der Achtziger Jahre in die New Yorker Bronx aus, wo Regina aufwächst. Nach der Ausbildung in klassischer Musik macht sie sich auf die Suche nach ihrem eigenen Ausdruck, experimentiert, mit Sounds, Texten, ihrer Stimme. Um die Jahrtausendwende avanciert die wunderschöne, zierliche Frau mit ihren selbst gebrannten CDs zum Geheimtipp in den Musikkellern der East Side. Für ihre Album "Soviet Kitsch" holt sie sich im Jahre 04 den Produzenten der "Strokes", Gordon Raphael ins Boot, was im Sinne eines Anschubsers sicher nicht geschadet hat. Der Durchbruch in Europa gelang ihr jedoch 2007 mit der Singleauskopplung "Fidelity" des Albums "Begin to Hope". Zwei Jahre später folgte "Far", dessen Titel beinahe, um einen Konsonanten reicher, eine völlig andere Bedeutung erhalten hätte. Und hier zeigt sich der Schalk und die Verspieltheit der Künstlerin, die durchaus darüber sinnieren kann, dass ein Furz (fart) eine wichtige Angelegenheit sein kann. Wie sie sich auch im Song "Laughing with" fragen kann, warum niemand über Gott lacht, obwohl dieser doch witzig sein könnte, zum Beispiel wenn er an einer Cocktailparty einen guten Gottwitz über sich ergehen lassen müsste. Solch surrealer, intelligenter Witz tut gut. Passend zu ihrer aufgeweckten Person auch ihre Behauptung, dass sie umso mehr Fragen habe, je mehr Erfahrungen sie in der Welt mache. Obwohl die Alben über die Jahre geschmeidiger, poppiger geworden sind, bleibt Regina sich treu. Piano, das sie auch live selber spielt, und Streicher, eine Anlehnung an ihre klassische Basis, dominieren den Sound. Darüber schwingt ihre Stimme, erzählt Geschichten, die ihrem wachen Geist entsprungen sind. Verliert sich zuweilen scheinbar in den ungewöhnlichen und doch eingängigen Kompositionen. In ihrer Verspieltheit und Eigenständigkeit erinnert Regina Spektor an eine Katze, die einem Wollknäuel hinterherrennt. Genauso selbstvergessen webt ihre Stimme Spitzen, hüpft Tonleitern rauf und runter, schmeichelt sich ein, fährt jedoch auch immer wieder Krallen aus, klagt über einem grollenden Piano, greift an. Und obwohl es eine Stimme ist, die Aufmerksamkeit einfordert, ist sie doch nie penetrant, lässt dem Zuhörer ebenso viel Raum, wie sie für sich selber beansprucht. "Live in London" enthält nebst Songs aus ihren letzten drei Alben eine Live-DVD mit exklusivem Foto-und Filmmaterial sowie einen Tribut an ihren im letzten Sommer unter tragischen Umständen verstorbenen Cellisten Daniel Cho. Die Live-CD ist ein Genuss, man spürt, wie Reginas Präsenz und musikalische Fülle ihr Publikum in den Bann zieht. Die multimedialen Ergänzungen sind so gesehen nicht unbedingt zwingend, vermögen jedoch durchaus den Facettenreichtum dieser faszinierenden Persönlichkeit etwas näher zu bringen.