die andere Musik

   
Dear Folks
Zürich, 21. Februar 2011

drei verschiedene Stimmen zu JOAN WASSER, Gründe warum ihr Gastspiel in St.Gallen besucht oder ihr neustes drittes Album "Deep Field" gepostet werden sollte:

Souveräne Spätzünderin
Auf ihrem neuen Album «The Deep Field» entdeckt Joan As Police Woman Funk und Soul. Und damit entwickelt die Indie-Ikone das Potenzial zum Popstar.
VON RETO ASCHWANDEN

Eine Senkrechtstarterin ist Joan Wasser nicht gerade. Eher eine Spätzünderin: Lange Jahre musizierte sie im Schatten berühmter Auftraggeber: Rufus Wainwright, Antony Hegarty, Elton John und Lou Reed holten sie als Geigerin ins Studio und auf die Bühne. Und dann ist da noch der Status als inoffizielle Witwe des Songwriters Jeff Buckley, der 1997 bei einem Schwimmunfall ums Leben kam. 2006 Veröffentlichte sie das erste Album unter dem Namen Joan As Police Woman. Und ähnlich wie bei Wainwright und Hegarty horchten zunächst nur ein paar Musiksachverständige auf. Songs und Stimme klangen zwar einnehmend und potenziell breitenwirksam, Ausstrahlung und Inszenierung wirkten aber noch zu schräg für Auftritte zur Hauptsendezeit. Das könnte sich nun ändern. Zwar gibt es auch auf dem neuen Album «The Deep Field» Ausflüge in eher periphere Gebiete der Popmusik. Noch immer führen einige Stücke zu Aus- und Abbrüchen und manchmal in die Irre. Doch diesmal bleibt oft bloss angedeutet, was ehedem zelebriert wurde. Im Zentrum finden sich stattdessen soulige Songs in stilsicheren 70er-Jahre-Arrangements. Stevie Wonder und Al Green stehen Pate, E-Piano und Hammondorgel sorgen für warme, federnde Sounds und gelegentliche Bläsereinsätze bringen Funk in die Bude. Nun liegt Retro-Soul ja gerade im Trend, das Vordergründige überlässt Joan Wasser aber anderen. Für gefällige Stilübungen ist sie zu sehr geprägt vom New Yorker Kunstpopbetrieb. Und so schmeisst sich der Gesang nie an den Hörer ran. Stets bleibt ein Rest Reserviertheit in der Stimme, statt Schmusekätzchen oder Kratzbürste hören wir ein souveränes Timbre, das seine Reize erst beim aufmerksamen Zuhören offenbart. So eingängig und schwungvoll manche Lieder sind, dazu tanzen möchte man nicht in der Disco, sondern daheim in der guten Stube, allein oder allenfalls zu zweit. Wer schon früher auf den Geschmack gekommen ist, freut sich über die gelungene Weiterentwicklung einer spannenden Musikerin. Und Songs wie die Formatradio-taugliche Single «The Magic» dürften weit über die bisherige Zielgruppe hinaus für Aufhorchen sorgen. Vielleicht wird die mittlerweile 40-jährige Spätzünderin ja doch noch ein richtiger Star.

Joan As Police Woman: «The Deep Field» (PIAS/MV). Live: 2. März, Palace, St. Gallen. SURPRISE 243/11

Nach seinem Gastspiel bei TIMBER TIMBRE wurde Veit nochmals in die Ostschweiz als DJ eingeladen, das von jungen innovativen Kräften geführte PALACE ist immer eine Reise wert! Zu hören sind seltene Vinylperlen aus seiner Sammlung - es ist ihm eine besondere Ehre, das Konzert von JOAN WASSER zu umrahmen :o) Hier seine Besprechung des neusten Albums: Das dritte Album der schillernden Sängerin/Keyboarderin/Gitarristin Joan Wasser ist da. Ihr Spektrum deckt die reiche musikalische Frauenwelt von PJ Harvey bis Lhasa de Sela ab: feurig expressiv bis abgründig melancholisch. Frühere Vorbilder ganz klar: Annette Peacock und Laura Nyro, zwei halb vergessene Ikonen der 70er Jahre. Nach dem tiefgründigen "To Survive" (auf dem Coverbild im Profil ähnlich wie Virginia Woolf auf dem berühmten Bild von 1903), auf dem sie den Krebstod ihrer Mutter verarbeitete, hat die umwerfende und zwirblige Joan definitiv die Lebensfreude wieder gefunden, welches ihr hoffentlich bald auch ein grösseres Publikum bescheren wird. Zum neusten Album nennt sie konkret drei grosse Namen der "Black Music": Al Green, Marvin Gaye und Stevie Wonder. Dazu kommt: Joan liebt das psychedelische Schlüssel-Album von Prince: "Parade" von 1986. Zu beiden Teilen melodiös und funky, ist Joan Wasser eine sehr phantasievolle Komponistin, immer von hervorragenden Musikern aus der New York Downtown Musikszene umgeben: Doug Wieselman (g), Tyler Wood (keyb), Parker Kindred (dr,perc), Oren Bloedow (g,b), Timo Ellis (g), Joseph Arthur (voc), Fred Cash (b), Chris Brown (clavinet) u.a.

Hier noch seine Besprechung des ersten Albums, August 2006 : JOAN AS POLICE WOMAN.
Neun Jahre nach dem tragischen Tod ihres Lebensgefährten Jeff Buckley hat die grossartige 36-jährige Musikerin JOAN WASSER mit "Real Life" endlich auch ein eigenes Songalbum gewagt. Als Geigerin, Gitarristin & Keyboarderin entdeckte man sie bereits bei Lou Reed, Sheryl Crow, Antony, Elysian Fields, Joseph Arthur und vor allem in der aktuellen Tourband von Rufus Wainwright. Mit der Bassistin Rainy Orteca & dem Drummer Ben Perowsky bildet sie das Trio mit dem abstrusen Namen JOAN AS POLICE WOMAN (weil Joan eine Weile sehr blond gefärbte Haare hatte, stellten Freunde eine Aehnlichkeit mit der Schauspielerin Angie Dickinson aus der Serie "Police Women" fest:-). Nicht nur Drummer Ben Perowsky, auch Gastmusiker wie Doug Wieselman, Steven Bernstein & Briggan Kraus entstammen der New York Downtown-Szene. Joan Wasser besitzt wie Patti Smith oder PJ Harvey eine "unkonventionelle Schönheit", die auf jedem Foto wieder eine andere Identität anzunehmen scheint. Ihr Album ist sehr berührend: zarte und sparsam instrumentierte Songs liegen in der androgynen Tradition von Coco Rosie, Cat Power, Antony & Joseph Arthur (letztere zwei sind auch mit Backing Vocals vertreten), entwickeln aber trotzdem einen unwiderstehlichen Drive. auch sehr lesenswert: diese tolle Rezension des zweiten Albums von Christoph Fellmann, Juni 2008 im TA http://sc.tagesanzeiger.ch/dyn/news/popjazz/884114.html

Vorverkauf hier: http://www.palace.sg/tickets/8396
more infos: http://www.joanaspolicewoman.com/