die andere Musik

   
Dear Friends,
Zürich, 10. November 2011

ein Schlüssejahr der Musikszene neigt sich dem Ende entgegen. Momentan bereite ich die Bestsellerliste des Rec Rec Shops vor, die CD-Umsätze sind 2011 nochmals gesunken. Kompensiert wurde diese Schwankung durch Ankauf von Sammlungen, das Antiquariat - plus Versand ins Ausland von wertvollen Einzelstücken. Die grossen Labels bringen nur noch wenige neue Alben heraus, Restverwertung von alten Titeln ist angesagt, viele CD-Anthologien erscheinen, zum Teil recht preiswert.
Die Independent-Szene ist nach wie vor sehr aktiv, wenn auch die Tendenz zu Vinyl- oder Download-Only unübersehbar ist. Trotzdem, mein Glaube an physische Tonträger ist ungebrochen für die nächsten 5-10 Jahre, auch wenn die Szene von vielen Leuten bereits totgesagt wird. Musikalisch war 2011 wieder ein ausgesprochen spannender Jahrgang, wie auch die hier vorgestellten Titel unterstreichen. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an Euch, für die konkrete Unterstützung des Angebots vom Rec Rec Shop, die vielen Zeichen der Solidarität, der Ankauf von Geschenkgutscheinen wie auch die Häufung von Jahresabos. Stellvertretend dazu folgendes Statement von der Zürcher Musikerin NADJA ZELA, September 2011, (bitte verzeiht mir die kleine Bauchpinselei)

"Werter Herr Plattenladenbesitzer, ein schlechter Mensch bin ich, dass ich niemals auftauche in ihrer Burg der best gehütendsten Geheimnisse der Musikgeschichte. Ich wäre sogar noch der bessere Mensch, wenn ich den Laden ausrauben würde, als durch Absenz zu glänzen. Nun denn, ich bin manchmal auch ein wenig scheu, aber das glaubt mir eh niemand, darum habe ich aufgehört, es als Argument vorzubringen. Unter den Begebenheiten ist das Abo, da ich mir selber gegönnt habe, einfach eine Wucht! Mal ganz abgesehen davon, dass ich es als alte Nostalgikerin erwärmend finde von einem Mann regelmässig Post zu erhalten, habe ich einfach wahnsinnig Freude an dieser Idee des Vertrauens und natürlich dann an der Musik. Ganz überwältigend fand ich Oscar Brown! Da hast Du voll ins Schwarze getroffen. Aber auch die neuesten Zusendungen (Jolie Holland, Edith Johnson) haben mein Herz sofort gewonnen. (..) Danke für Deinen Einsatz und Deine Fantasie und Deine Ideen…Freue mich bereits auf die nächste Zusendung!" (Nadja Zela)

Es darf auch vermeldet werden, trotz erwähnten Sorgen, dass der Rec Rec Shop momentan (aus eigener Kraft) finanziell durchaus auf gesunden Füssen steht und keine Geldsorgen hat, ein kleines Polster. Das heisst, wenn eine erwünschte Neuheit nicht an Lager sein sollte, hat dies nicht mit allfälligen Lieferstopps von Lieferanten zu tun. Zunehmend biete ich deshalb an: dass eine gewünschte CD im Laden bezahlt werden kann, und dann innert wenigen Tagen portofrei nach Hause kommt. Geschenke für die Festtage bitte ich möglichst spätestens 14 Tage vor Weihnacht in Auftrag zu geben.

Dies für heute, mit bestem Gruss Veit

ANNA & STOFFNER "Neongrau" (32.-). Eine grosse Freude, den Texten der Zürcher Rapperin ANNA zuzuhören, bereits ihr Debut "Still Young" (2006) hatte begeistert. Sehr suggestiv und packend, auch die Sounds von Gitarrist Flo Stoffner sind das richtige "Schmiermittel". Eine gelungene Weiterentwicklung.

CARLA BOZULICH / EVANGELISTA "In Animal Tongue" (32.-). Grandioses neues Album der Ausnahmesängerin CARLA BOZULICH, (stilistisch verwandt mit MATANA ROBERTS weiter unten, beide auf dem Label Constellation!), das dunkle und geheimnisvolle Timbre bleibt einzigartig... Eigentlich obligatorisch für alle Leute, die Patti Smith, PJ Harvey, Sonic Youth, Lydia Lunch oder Diamanda Galas lieben, seit dem "Evangelista"-Debut 2006 das schönste und zugänglichste Werk. Live zu hören ist die Band am Berner SAINT GHETTO Festival, 18. Nov 2011 in der Dampfzentrale.

BRAINTICKET "Vintage Anthology 1971-80" 4CD-Box with Miniposter & Badge (64.-). Endlich wird dieser damals einige Jahre in der Schweiz beheimateten Band einigermassen Gerechtigkeit getan. Zahlreiche illegale Reprints ihrer Platten durch die Jahre und schlechte Verträge, auch die Suisa vermochte da nicht zu helfen. Vor zwei Jahren habe ich den Leader und Keyboarder der Gruppe, JOEL VANDROOGENBROECK aus Belgien, per Email in Mexico aufgespürt. Mir war aufgefallen, dass die Vorabsingle von "Cottonwoodhill" (auf dem Vinyl markiert mit 15. Okt 70) ohne die Aufschrift BRAINTICKET herausgekommen war. Ob die Band ursprünglich COTTONWOODHILL hiess? Joel vermochte sich nicht mehr an Details erinnern, schien mir allgemein desillusionisiert zu sein vom Musikbiz. Umso erfreulicher diese Box mit den ersten drei Alben "Cottonwoodhill" (70), "Psychonaut" (72) und "Celestial Ocean" (73) - (als 12jähriger hatte ich mich dank Freunden meiner Schwester mit dem Debut bereits sattgehört, in der Folge erschienen mir die zwei anderen Alben fast wertvoller) - plus das unveröffentliche "Live In Rome" (1973) feat. Barney Palm, die zwei Raritäten "Magic Theatre" (71) und "Biomechanoid" (80, mit einem Cover von H.R. Giger), sowie ein ausführliches Booklet mit spannenden Linernotes und weiteren Rarities als Bonustracks von 1959-71 !

TIM BUCKLEY "Original Album Series" 5CD-Box (32.-) und Starsailor/The Anthology 2CD (32.-). Gibt es von Bob Dylan, Leonard Cohen oder Neil Young Alben, die von Sun Ra beeinflusst waren? Wohl kaum, aber der sagenhafte Songwriter TIM BUCKLEY (1947-75) hat dies mit seinen zwei Alben "Lorca" und "Starsailor" (beide 1970) geschafft! Mit diesen zwei aktuellen Anthologien wird diese Phase wieder vollumfänglich abgedeckt, einzig das charmante französische Chanson "Moulin Rouge" sowie "Down By The Borderline" mit der feurigen Trompete von Buzz Gardner fehlt. Die 5CD-Box enthält die Alben Tim Buckley, Goodbye & Hello, Happy Sad, Blue Afternoon, Lorca. Mit dieser preiswerten Box ist das wunderschöne Album "Blue Afternoon" (das weniger bekannte Pendant zu "Happy Sad") erstmals seit 1989 wieder auf CD lieferbar. "Starsailor/The Anthology" (33 Tracks, 2x 79 Min) wurde kurioserweise von Rhino nur in England veröffentlicht, enthält aber ansprechende Linernotes von Paul Lester (July 2011) und bedeutet nach "Morning Glory" (2CD, 2001) eine weitere willkommene Einführung in das Werk, auch die Songabfolge gefällt. Jetzt fehlt nur noch eine Anthologie, die seine letzten drei Funk/Soul-Alben von 1972-74 beleuchtet, sowie eine "schwarze Community", die diese Phase endlich entdeckt und adäquat covert. Das schwächliche "Martha" von Tom Waits 1973 kann es doch nicht gewesen sein?

KAL CAHOONE " Saints And Stars" (32.-). Oh diese Frauenstimme! 2005 auf dem Album "Esqueletos" (Alternative Tentacles) von TARENTELLA entdeckt, ebenfalls noch lieferbar, erreicht uns jetzt auf Umwegen das erste Soloalbum (Eigenlabel). Süffig schöner Neo-Folk mit Gänsehaut-Faktor, inkl. Geige, Trompete und Pedal Steel. KAL CAHOONE spielt Piano, Organ & Accordion. Aus Denver USA, Umfeld von Slim Cessna's Auto Club und 16 Horsepower.

PASCAL COMELADE "Fall Of Saigon" (32.-). Hübsches Nebenprojekt von Comelade, damals 1983 ein Minialbum mit sechs Tracks auf Atem Records, schnell vergriffen und seit 2005 unter dem Begriff "Minimal Synth" auf Discogs bis zu 250.- Fr gehandelt. Die Chanteuse FLORENCE BERTHON liess damals völlig zurecht Vergleiche mit VELVET UNDERGROUND & NICO aufkommen. Endlich gibt es eine CD davon, mit 7 Bonustracks, und die Coverversionen sind höchst delikat: "The Model" (Kraftwerk), "Part Time Punks" (TV Personalities) und "The End" (Doors).

HOLLIE COOK "Hollie Cook" (32.-). Entspannter und sonniger Sommer-Reggae, schönes Debut einer neu entdeckten Stimme. GAVIN FRIDAY "Catholic" (32.-). Sechzehn Jahre nach seinem dritten Soloalbum (alle vergriffen) und dem raren Auftritt im Zürcher Kaufleuten, beehrt uns GAVIN FRIDAY (ex-Virgin Prunes, Schulkollege von Bono) mit einem weiteren Werk. Damals oft mit Marc Almond oder Morrissey verglichen, schliesst sich "Catholic" an die früheren Alben, als wäre die Zeit stehengeblieben...

KARL AMADEUS HARTMANN "Symphonies 1-6 / 20th Century Classics" (2CD 32.-). Ingo Metzmacher & Bamberger Symphoniker. Immer noch weitgehend unbekannt, trotz den Aktivitäten zu seinem 100. Geburtstag 2005. Der Name Hartmann zerfliesst nicht so schön auf der Zunge wie Bartok und Stravinsky, Messiaen oder Shostakovich. Dennoch ist der deutsche Komponist KARL AMADEUS HARTMANN (1905-63) eindeutig im selben Atemzug zu nennen. Sein sparsames, meist symphonisches Werk verfügt über glühende Intensität und mathematische Genauigkeit. Er hatte in den Jahren des Nazifaschismus geschwiegen, mit einer Vollständigkeit die seine Position unmissverständlich machte. Er liess seine Werke nur im Ausland aufführen.

KRILL "Krill" (32.-). Wieder an Lager, ein Geheimfavorit des Rec Rec Shops seit 1999, eine Zürcher Band mit der (inzwischen preisgekrönten) Schriftstellerin MELINDA NADJ ABONJI an Geige und Vocals. Plus Karin Schwarzbek (Accordion, Electric Piano), Mättu Widmer (bass), Thomas Hess (vocals), Petra Cathomas (drums). Ein sympathisch unkomplizierter Ansatz von Prog-Rock: nie hat eine Schweizer Band osteuropäischer geklungen, ausser vielleicht Pale Nudes. Iva Bittova und Plastic People Of The Universe lassen grüssen, aber da ist sogar noch ein Hauch von Grauzone. Anspieltipp: das ungarische Volkslied "Hidegen Fujnak A Skelez"

NORBERT MOESLANG "Sound Of Insects/OST" (3LP only, 42.- plus Porto). Visionärer Soundtrack zum eindrücklichen Film von Peter Liechti. Musique Concrete meets Operngesang. Feat Christoph Homberger (voice), Martin Schütz (cello), Jacques Demierre (piano), Paul Lovens (drums), plus Jason Kahn, Tomas Korber, Günter Müller, Christian Weber und Katsura Yamauchi.

ERNST MOLDEN "Häuserl Am Oasch" und "Weida Foan" (je 32.-). Neuste Entdeckung dank Kundenbestellung: der geniale Wiener Songwriter ERNST MOLDEN. Stahlberger meets Johnny Dowd, Tom Waits meets Stiller Has.

PENGUIN CAFE "Matter Of Life" (32.-). Ein verblüffendes Comeback des PENGUIN CAFE, unter der kompetenten Leitung des Sohnes von SIMON JEFFES (1949-97). Das Album bekommt durchwegs positive Kritiken. Akkurat führt Arthur Jeffes sein 12-köpfiges Ensemble durch elf neue Kompositionen aus dem Zauberland. Instrumentale Kammermusik mit Einflüssen von Folk und Weltmusik, inkl. Ukulele und zahlreichen Streichern.

PHALL FATALE "Charcoal From Fire" (CD/2LP je 32.-). Das sind die dringend benötigten, erfrischenden Synergien, die dem Rec Rec Shop liegen. OM-Drummer Fredy Studer wechselt mit seiner neuen Band PHALL FATALE zum aufstrebenden Kuenschtli.ch-Label, und was bringt er mit? Eine ausgewaschene 5-köpfige Combo mit Verve und Vision, produziert von Roli Mosimann. Eine höchst ausgereifte und spannende Kost, die auch anspruchsvolle Gemüter verwöhnt. Inkl. Coverversions by Bob Dylan and Nina Simone. Fet. Joy Frempong, Joana Aderi, John Edwards & Daniel Sailer.

RADIO OSAKA "Flying Low" (2CD, 32.-). Vermutlich das bisher beste Album von RADIO OSAKA, auf ihrem Reptile-Label (im Nation-Vertrieb!). Weniger rhythmische Breaks lassen einen wunderbar sphärischen und leicht zugänglichen Prog-Rock erscheinen, für Schweizer Verhältnisse eine Seltenheit. Nach seinen hervorragenden String-Arrangements bei der COMEBUCKLEY-Produktion 2007 lässt Gitarrist STEPHAN THELEN die frappanten KING CRIMSON-Einflüsse filigran einfliessen, noch nie war der Sound so verzahnt! Grandios zeigt Sänger ANDI CZECH seine "Yodeling"-Tricks in tiefen Tonlagen auf "True Color", oder in "Lost" zitiert er fast unbemerkt eine bezaubernde Melodie von TIM BUCKLEY ("Song Slowly Song", 1966). Durchgehend ein wahrer Ohrenschmaus!

RAINCOATS "Odyshape" (CD/LP, je 32.-). Ein Meisterinnen-Werk der 80er Jahre ist endlich wieder auf LP/CD veröffentlicht. Als Mayo Thompson im Juni 1981 mit Red Krayola in der Roten Fabrik auftrat, überreichte er uns ein pre-Tape von "Odyshape": ich war endlos verzaubert. Weiss noch, wie ich in unserer WG in Wollishofen die Managerin Shirley am Telefon hatte betreffend CH-Konzerten (was dann nicht klappte), sah dann die Band im Februar 1983 in London... auf dem Album dabei als wechselnde Drummer: Robert Wyatt, Charles Hayward und Ingrid Weiss. Prominente Fans der Raincoats: Kim Gordon (Sonic Youth) & Kurt Cobain (Nirvana).

RED KRAYOLA "Parable Of Arable Land" (2CD with Bonus, 35.-) + "God Bless Red Krayola And All Who Sail With It" (32.-). Sehr willkommene Remasterings dieser zwei Westcoast-Klassiker von 1967 und 68, kompetent ausgeführt von Peter Kember (SONIC BOOM, SPACEMEN 3). Das Stück "Hurricane Fighter Plane" ist ein Muss für alle Leute, die frühe Pink Floyd mit SYD BARRETT verehren. Leader MAYO THOMPSON reaktivierte die Band 1979 und hauchte in der Folge als Produzent dem Rough Trade-Label in London zusätzlich Leben ein und stieg nebenbei noch an Bord von PERE UBU.

LOU REED & METALLICA "Lulu" (2CD 32.-). Rock in Opposition? Musik ausser Kontrolle? Taktlos? Saint Ghetto?. Ich mag beileibe nicht alles von Lou Reed, speziell die viel beschworene "Metal Machine Music" von 1975 hat mich damals im Vergleich mit John Cale wenig beeindruckt, und ein wirklich gutes Konzert von ihm hab ich auch nie erlebt. Trotzdem finde ich "Lulu" sehr gelungen und durchaus erfrischend für 2011. Vergesst die teuren Japan-, Book- und Tube-Editions, nehmt einfach die Standart-Edition. Ich möchte "Lulu" auch nicht überbewerten, aber die Kommentare von enttäuschten Metallica-Fans in den Foren amüsieren köstlich. Beispiel: "Kein Mensch braucht sowas. Metallica schrammeln rum wie ne Schülerband und Lou gähnt ins Mikro".

MATANA ROBERTS "Coin Coin Chapter One" (32.-, Do-10" 42.-). Ein Hauptereignis der Saison: Endlich schliesst sich mit diesem brillanten Album der Kreis zum epochalen Black Power/Free Jazz-Werk "Freedom Now Suite / We Insist" von 1960 mit Abbey Lincoln, Oscar Brown Jr. und Max Roach. Zudem: leicht zugänglicher Gospel-Soul-Jazz bei "Libation For Mr. Brown: Bid Em In": Sängerin Gitanjali im Duett mit Leaderin Matana Roberts (alto saxophone,clarinet) plus riesiger Bigband. Oder die sehr berührende Ballade "Lulla/Bye". Am 22. März 2012 gastiert die Band zum zweitenmal in der Roten Fabrik.

SYSTEMA SOLAR "Systema Solar" (32.-). Erfrischende Kombination aus Breakbeat und Cumbia-Electro, mit einer gewissen Affinität zu Analogik, wenn auch weit tanzbarer. Fünf Jungs von der karibischen Küste in Kolumbien, erster Release auf dem Berliner Label Chusma.

GHEDALIA TAZARTES "Works 1977-79" (4LP-Box, 128.- plus Porto). Gesangswunder aus Paris, vielfältige globale Einflüsse. Sein Auftritt im Mai 1987 mit Akkordeon und Playback gehört zu den unvergänglichsten Eindrücken meiner langen Reise durch aktuelle, zeitgenössische Musik. Seine Platten waren jahrelang vergriffen, waren in gutem Zustand kaum mehr zu finden, und wurden hoch gehandelt. Abhilfe leistet nun diese perfekt ausgeführte Box von "Vinyl on Demand". Das vierte hier abgebildete Album "Tazartes" erschien erst 1987, also scheint mir der Titel "Works 1977-79" etwas ungenau, Ghedalia vermochte sich wohl nicht mehr erinnern. Denn genau diese Stücke hat er damals aufgeführt. Wer immer sich Tazartes bisher vergeblich angenähert hat, höre dieses vierte Album (auch auf CD bei Alga Marghen lieferbar, zusammen mit dem Debut "Diasporas").

EVELINN TROUBLE "Television Religion" (32.-). Grandioser Wurf, Frau Trouble holt diesen Herbst die Kohlen stellvertretend für manche Schweizer/innen aus dem Feuer! Explosiv, überdreht, eine wandelnde Jukebox und Wundertüte, die auch in den zärtlichen Passagen überzeugt ("Waste", die zweite Hälfte von "I'm On Fire etc.) Glorreicher Schlusspunkt: die Jimi Hendrix-Coverversion "I Don't Live Today". Der Rec Rec Shop hat 2007 über 50 Ex. ihres Debuts "Abitrary Act" unter die Leute gebracht, und dazu gibt es eine schöne Anekdote: Evelinn sah 18 Monate später erstmals die Zweitauflage im Jewelcase bei mir im Schaufenster, kaufte sich umgehend ein Exemplar und bestand darauf, den vollen Preis zu zahlen!

MIKA VAINIO "Life.. It Eat's You Up" (CD 32.-, 2LP 35.-). Eine gute Ergänzung zum aktuellen Lou Reed-Album "Lulu". Das frühe Mitglied von PAN SONIC klingt radikal und entschlossen, wie eine späte Antwort auf "Metal Machine Music", aber auch ruhigeren Passagen überzeugend.

TOM WAITS "Bad As Me" (32.-). "Endlich ist er der alte Mann, der er immer war" (20 Minuten, Niklaus Riegg). "Highly Recommended"! (Rec Rec Shop)

WELTTRAUMFORSCHER "Herzschlag Erde / Verdunkelt die Sinne" (LP only, 35.- plus Porto). Limitierte Vinyl-Edition mit schön dickem Booklet, eine Koproduktion von zwei Labels aus Mailand und Basel. Zurecht wurden Items von Christian Pfluger kürzlich auch im Zürcher Helmhaus ausgestellt. Frühe Aufnahmen von 1980-81, erstmals auf Vinyl. Die Schweizer Antwort auf Der Plan und Residents.