die andere Musik

   
 
Zürich, 11. Februar 2013

Der Zürcher Kunstvermittler SERGE STAUFFER (1929-89) erhält seine erste Ausstellung im Zürcher Helmhaus mit zahlreichen Gästen, es gibt ein musikalisches Rahmenprogramm mit drei Konzerten und es erscheint das Buch "Kunst als Forschung" im Verlag Scheidegger & Spiess (49.- Fr): Essays, Gespräche, Übersetzungen, Studien, welches auch im Rec Rec Shop aufliegen wird. Auf der Rec Rec-Website findet Ihr den Flyer zur Ausstellung, die Vernissage findet am Donnerstag, 14. Februar 2013 ab 18h im Helmhaus statt, um 19h mit Ansprachen von Corine Mauch, Simon Maurer und Michael Hiltbrunner, sowie mit einem Maultrommel-Solo von Anton Bruhin.

Nächsten Donnerstag, 14. Februar 2013 wird der Rec Rec Shop bereits um 18h geschlossen, aufgrund der Vernissage im Helmhaus Zürich von SERGE STAUFFER "Kunst als Forschung".

Als ich 1989 für fünf Jahre meine Arbeit bei Rec Rec Zürich unterbrach, beschäftigten mich zwei Nachlässe sehr speziell. Der Eine war ein entfernter Bekannter aus Kalifornien, der Andere ein naher Verwandter aus Zürich-Seebach. Das Filmprojekt über Tim Buckley (1947-75) verlief im Sande am Strand von Santa Monica, aber es hat mich sehr gefreut, 2007 mit dem 2CD-Tributalbum Comebuckley, welche zumindest in der Schweiz hervorragende Kritiken erhielt, diese Forschung für mich "abzuschliessen". Das andere Projekt war noch offen. Ich hatte in den frühen 1990er vergeblich versucht, den Nachlass meines Vaters durch eine Ausstellung mit Katalog der Vergessenheit zu entreissen. Es hat damals nicht an Interessenten, Schulterklopfern und auch aufmunterndem Feedback gemangelt, aber da ich ab Juni 1994 wieder voll mit dem Rec Rec-Shop beschäftigt war, fehlte der Motor des anspruchsvollen Projekts. Manchmal muss der richtige Zeitpunkt, bzw. auf eine neue junge Generation gewartet werden, um spannende Kunstwelten wieder zu entdecken.

Im Januar 2006 recherchierte der junge Berliner Kunsthistoriker Frederik Schikowski über sogenannte Spielobjekte. In einem Buch (1970) von Karl Gerstner hatte er die Arbeit "Jardin Public" (1960) von Serge Stauffer entdeckt, kontaktierte mich im Rec Rec Shop und kurz darauf liess ich ihn einige Stunden hinten im Büro die 1960er Jahre Forschung meines Vaters zu geometrisch-optischen Täuschungen durchsehen. Im Juli 2009 hielt Schikowski über das Thema einen Vortrag im "Corner College" in der Zürcher Perla Mode.

Im Publikum sass auch der Zürcher Kunsthistoriker Michael Hiltbrunner (*1975), der nun auf Serge Stauffer aufmerksam wurde und mich darauf ansprach, kannten wir uns doch bereits seit bald 15 Jahren durch die Musikszene. Damit hatten wir ein zweites gemeinsames Interessengebiet, und voller Elan stürzten wir uns in dieses Abenteuer. Michael Hiltbrunner hat jetzt nicht nur diese Ausstellung im Helmhaus ermöglicht: zweitens sind endlich auch in einem Buch Schriften von Serge Stauffer greifbar, die zwischen 1950-86 entstanden sind und heute noch anregend wirken. Drittens wurde vor wenigen Tagen der Vertrag unterzeichnet, dass im Juni 2013 das "Archiv Serge und Doris Stauffer" als Schenkung an die graphische Sammlung der Nationalbibliothek Bern übergehen wird!

Ein paar Erinnerungen: Im November 1975 kam Serge von einer Reise aus Island und New York City zurück, mit etwa 10 Schallplatten im Gepäck. "Taking Tiger Mountain" von Brian Eno, sowie frühe Werke der Minimal Music von Meredtith Monk, Terry Riley, Philip Glass und Steve Reich. Im Oktober 1976 hat die F + F Schule im Vortragssaal des Zürcher Kunsthauses das Steve Reich Ensemble auftreten lassen, fünf Jahre vor dem zweiten Gastspiel im Limmathaus, welches viele Zeitgenossen damals für das "Schweizer Debut" hielten. Im September 1973 wollte mich Serge nach Wetzikon zum Frank Zappa-Konzert mitnehmen. Aus heute für mich nicht nachvollziehbaren Gründen passte ich, meine Passion für progressive Rockmusik erwachte aber definitiv Anfang 1974.

Als Serge im Vorbeigehen mein pausenloses Abspielen von Genesis (mit Peter Gabriel) liebevoll spöttisch mit "Hörst du wieder Bibelrock?" kommentierte, erwachte mein Ehrgeiz, noch tiefer nach Gold zu schürfen. "Warte, dich erwisch ich" lautete nun mein (unbewusstes) Credo. 1975-76 entdeckte ich die Canterbury-Scene um Soft Machine mit Robert Wyatt. Im September 1976 war es dann soweit: stolz präsentierte ich eine von Brian Eno produzierte LP mit Kompositionen von John Cage aus der sogenannten "ästhetischen Periode", die von Carla Bley und Robert Wyatt gesungen wurden. Der Kreis schloss sich, meine Vorbehalte gegenüber moderner E-Musik schmolzen dahin, und so war es auch nicht verwunderlich, dass Serge für die ganze Gruppe Henry Cow ein Abendessen kochte, als sie im Januar 1978 nach dem Zürcher Konzert bei uns in Seebach übernachteten. - Anton Bruhin, Klaudia Schifferle, Stephan Eicher, Jürg Nutz, Thomas Fehlmann und Muda Mathis haben alle die F & F Schule besucht und anschliessend zahlreiche Tonträger veröffentlicht.

Ich freue mich speziell, dass in der Ausstellung auch Roman Signer beteiligt ist. Mein Vater gehörte um 1978 zu den ersten Leuten, die an das Werk des heute berühmten Künstlers glaubten. Meine Eltern wurden im Juli 1984 von Signer für einige Wochen nach Polen eingeladen, der Heimat seiner Frau. Ich freue mich, dass mit Peter Blegvad auch ein Werk eines Musikers / Illustrators aus der Recommended Records-Szene zu sehen ist. Ich freue mich, dass "Jardin Public" mit 216 Sitzwürfeln einen prominenten Platz im Helmhaus erhalten hat. Und ich freue mich, dass die frühen Werke meiner Mutter Doris Stauffer erstmals seit 1975 wieder in einer Ausstellung zu sehen sind. Dies ist nur die Spitze des Eisberges. Geht hin und lasst Euch überraschen! Mit bestem Dank für Eure Aufmerksamkeit: Veit F. Stauffer Trivia: - Serge Stauffer wäre heute 83 Jahre alt: von 1959-89 wohnte er an der Seebacherstrasse 83, die Startadressen der F & F Schule Februar 1971, sowie von Rec Rec Zürich im September 1979. -

Der 14. Februar 2013 ist nicht nur Valentinstag, es wäre auch der 66. Geburtstag von Tim Buckley. - Rec Rec Zürich ist zum Datum dieser Vernissage exakt 33 1/3 Jahre alt, entsprechend der Tourenzahl einer Langspielplatte.
http://www.stadt-zuerich.ch/content/prd/de/index/ueber_das_departement/medie n/medienmitteilungen/2013/januar/130123a.html http://de.wikipedia.org/wiki/Serge_Stauffer http://de.wikipedia.org/wiki/Doris_Stauffer for people abroad, here infos in english: http://likeyou.com/en/node/35815