die andere Musik

   
Geschätzte Kundschaft, Dear Friends
Zürich, 14. September 2014

seit dem Juli 2013 gab es von meiner Seite keine ausführlichen Kurztipps mehr, ich war wohl aufgrund der Überführung des Archivs meiner Eltern in die grafische Sammlung der Nationalbibliothek Bern etwas abgelenkt. Ich fasse mich jetzt kurz, das sind rund vier Seiten im Ausdruck. Dies ist nur eine Auswahl aus den letzten 12 Monaten. Danke für die bisherigen Feedbacks zu meinem "Wink mit dem Zaunpfahl" am Donnerstag. Gemeinsam werden wir es schaffen. ich bleibe konzentriert bei der Arbeit, auch 35 Jahre danach. Dank auch an meinen neuen Kunden Jodok Kobelt, der sich mir erst vorstellte, als ich ihn bereits sehr sympathisch fand. Zwei Textauszüge übernahm ich von von seiner anregenden Seite www.globalsounds-ch

ADMIRAL JAMES T. "8341735" (32.-, auch Vinyl) - Ein abgerundetes Meisterwerk mit von Ideen sprühenden Pop-Perlen, alle Instrumente im Alleingang von
DAVID LANGHARD eingespielt im Dala-Studio Winterthur. Ein schillerndes musikalisches Chamäleon, vergleichbar mit John Lennon und David Bowie, Peter Blegvad oder R. Stevie Moore. PS. Kürzlich Restposten gefunden seiner LP mit VERENA VON HORSTEN ! Näher an Lee Hazlewood & Nancy Sinatra kam noch keine andere Scheibe aus der Schweiz.

BEYOND ADDIS "Various Artists" (Trikont 32.-, auch Vinyl) - Suchtpotential. Wer sein Herz an die äthiopischen Skalen und Melodien verloren hat, der kriegt mit dieser Scheibe die Ohren voll: Musiker aus allen Kontinenten sind diesen Klängen ebenso verfallen. (Jodok Kobelt)

BLACK LIPS "Underneath The Rainbow" (32.-, auch Vinyl) - Diese Flowerpunk-Band aus Atlanta/Georgia ist mir erst mit diesem aktuellen Album aufgefallen. Verspielte, schräge, durchtrieben spleenige Songs, wie zu den besten Zeiten von TV Personalities oder Mothers Ruin. Aktuelle Bezüge gibt es auch zu Ween und Black Keys.

BILL CALLAHAN "Dream River" (32.-, auch Vinyl) - Dagegen hat das neue Album von Joe Henry keine Chance.. Seit einem Jahr auf dem Plattenteller, nach seinem Auftritt im Palace / St. Gallen umso stärker.. Dieser Flow von "Javelin Unlanding": von himmlischer Perfektion ..

CAVE "Threace" (Thrill Jockey, 32.-, auch Vinyl). - Nach Goat und Wooden Shjips ist CAVE eine weitere Band im Stil des Psychedelic Rock und Postrock-Sounds aus Chicago mitte der 90er Jahre. Faszinierend monoton, aber präzis und hypnotisch. Die deutsche Band NEU kommt in den Sinn, oder auch Miles Davis zur Zeit von "Agharta".

CHROME "Feel It Like A Scientist" (32.- ). - Die Legende CHROME. Sie waren damals in den 80ern immer haarscharf an einem "Hit" dran, stilistisch in der Liga von CABARET VOLTAIRE mit "Nag Nag Nag", oder FAD GADGET mit "Collapsing New People" - die überlebende Hälfte der Band, Gitarrist HELIOS CREED, war im Mai/Juni 2014 auf grosser Comeback-Tour durch Europa, mit einer kraftvollen jungen Band wurde der visionäre Sound in die Gegenwart transportiert, und hier ist das grandiose Comeback-Album dazu.

CONFUSIONAL QUARTET play DEMETRIO STRATOS (32.-) - Ein verblüffender Release: die anfang der 80er Jahre blutjungen Confusional Quartet (im ungestümen Ansatz vergleichbar mit Debile Menthol) kommen zurück und ehren den grossen italienischen Jazz-Rock-Fusion-Sänger DEMETRIO STRATOS (1945-79). Aufnahmen seines letzten Konzerts im Februar 79 werden von den inzwischen 50-jährigen vier Musikern gewitzt und adäquat zu einer gelungenen Hommage bearbeitet.

DAY & TAXI "Artists" (2CD, Percaso, 32.-) - "Auch auf Opus 7 mit dieser Band verbindet Gallio Kompositionen von aphoristischer Kürze mit weit ausgreifenden Improvisationen. Formbewusstsein, Witz und Temperament kennzeichnen sein Spiel. Ein Purist ist Gallio nicht; vielmehr setzt er auf Heterogenität und ein Kaleidoskop der Stimmungen, in denen auch Ironie und Kitsch drin Platz haben." (Manfred Papst, NZZ Sonntag)

RENE FISCH "Fisch Basel" (32.-, Tudor) - Auch das ist tragische CH-Realität. Immerhin das bewährte Musikhaus Tudor ("Ohrewürm"-Serie, Schtärnäföifi, Markus Schönholzer) veröffentlicht im Februar 2013 dieses Comeback-Album eines feinfühligen Basler Liedermachers - und keine Zeitung schreibt darüber, kein Veranstalter organisiert ein Konzert. 1994 mit FISCHHOHL gelang ihm der Semi-Hit "S'Ungnaui Häiweh", auf Ohrewürm 1 war er 1995 mit "Guet Nacht" präsent.

HAY BABIES "Mon Homesick Heart" (32.-) - Das franko-kanadische Label SIMONE RECORDS liefert terminlich nicht sehr zuverlässig, aber jetzt ist sie da! Direktimport aus Kanada, exklusiv Recommended Records. Nach der EP "Folio" das erste richtige Album des charmant-umwerfenden Frauentrios LES HAY BABIES, sorgfältig produziert, mit dem schönen Titel "Mon Homesick Heart".

TOM JONES "Spirit In The Room" (32.-) - Köstlich, wieder so ein spätes Album eines Weltstars, das beim Majorlabel komplett untergegangen ist. Danke für den Hinweis, an Drummer David Kerman (Basel, Rer Usa). Inspiriert und waghalsig, auf dem schmalen Grat des möglichen Versagens. Mindestens so gut wie vergleichbare Werke von Tom Waits, Johnny Cash oder Scott Walker.

LAKE STREET DIVE "Bad Self Portraits" (32.-, auch Vinyl) - Wieder mal Gesang aus voller Kehle ! Erinnert mich frappant an "Lookout Mountain" (2008) von Silver Jews. Mein Freund Sven in Berlin schreibt dazu: " Ich mochte an den Lake Street Dive dass sie sich aus einer linkischen Studiband so schnell in eine Band von überraschender Ausdrucksstärke entwickelt haben. Diese Schönheit die entsteht, wenn Du was zu sagen hast und es auch singst. Vielleicht nicht so ausgeklügelt produziert wie Miss Winehouse selig, dafür aber mit berührend persönlichen Texten, die von was anderem handeln, als vom drogentoupierten Rollercoaster des Lebens. "

GARY LUCAS "Cinefantastique" (32.-) - Ein faszinierender Gitarrist, dieser Gary Lucas, mit allen musikalischen Wassern gewaschen. Deutlicher könnte dies nicht demonstriert werden als mit diesem Soloalbum mit unverstärkter Gitarre, auf dem er Filmklassiker neu vertont von Jacques Tati, René Clair, Werner Herzog, John Ford, Bela Tarr, Nino Rota u.a. Seine Memoiren "Touched By Grace" (Okt. 2013) haben zahlreiche 5 Sterne-Rezensionen erhalten, beleuchten seine Zeit mit Jeff Buckley (1967-97) bis ins letzte Detail, erzählen aber auch seine ganze musikalische Entwicklung, von Beefheart über Jon Langford und Hal Willner bis zu Joan Osborne.

KAREN MANTLER "Business Is Bad" (Watt, 32.-) - Im Mai 2011 bestaunten wir die Pianistin / Sängerin im wunderbaren Robert Wyatt Projekt, nun erscheint ihr fünftes Album innert 25 Jahren. Sehr trockener Humor, lakonisch mit Schalk, reduzierte musikalische Umsetzung, allein der unaufgeregte Klang ihrer Mundharmonika ist unübertreffbar. Von sehr weit her weht die Atmosphäre des Albums "Kew.Rhone" (77) von Blegvad/Greaves, an dem ihre Eltern Carla Bley und Michael Mantler beteiligt waren.

LEYLA MC CALLA "Vari Colored Songs" (32.-) - Ehrliche Songs. Das Repertoire dieser Scheibe: Lieder aus der alten Heimat von Leyla McCalla, Haiti, und bluesige Songs zu Gedichten von Langston Hughes. Spärlich instrumentiert mit Cello, Banjo, Gitarre und Geige. Die Melodien stehen im Zentrum, sie leben durch die Kraft einer ehrlichen und berührend ausdrucksstarken Interpretation. Ein wunderbares Liederalbum, nicht nur was für Folk-Freunde. (Jodok Kobelt)

MELINGO "Linyera" (32.-) - Das Nachfolgealbum zum Bestseller "Cortazon & Hueso" (2011), rauchige Tangoballaden in der Aufwärtsspirale, Sehnsucht und Leidenschaft pur. Auch auf dem dritten Album von GOTAN PROJECT hatte MELINGO (*1957) mitgesungen. "Linyera" wurde mit einem riesigen Ensemble eingespielt, u.a. auch mit Axel Krygier.

NATALIE MERCHANT "Natalie Merchant* (Nonesuch, 32.-) - Nur das beste aus unserem Rotweinkeller! Eine melancholische Stimme auf sehr hohem Niveau. Das erste Album mit Eigenkompositionen seit "Motherland" (2001), eine grossartige Rückkehr. Wieder nur erstklassige Musikanten wie Gitarrist Eric Della Penna (Hazmat Modine) oder Keboarder John Medeski ..

ANNETTE PEACOCK "I Belong To A World That's Destroying Itself" (32.-) - Direkt von Annette / Ironic Records, erstmals auf CD, das allererste Album der sinnlichen Avantgarde-Sängerin ANNETTE PEACOCK von 1971, mit neuem Titel plus zwei Bonustracks. Aufgenommen mit PAUL BLEY im Jahre 1969, damals unter dem Titel BLEY / PEACOCK SYNTHESIZER SHOW "Revenge" veröffentlicht.

KLO PELGAG "L'Alchimie Des Monstres" (32.-) - Das neuste Paradepferd im Stall von Konzertpromoter Uli Schuwey (Padam Padam, Theatre Stok). Ein vielseitiges, musikalisch ausgefeiltes Debut. Die Sensation der jungen kanadischen Szene - eine kunstvolle musikalische Delikatesse. Am 16. September eröffnet sie das Zürcher Festival im gemütlichen Saal des Theater Stok.

PENGUIN CAFE "Red Book" (32.-) - Das verblüffende musikalische Highlight unserer Frühlingsferien in Dublin, zufällig am Freitagmorgen 25. April 2014 in der Zeitung Hinweis gesichtet, am Abend dann Gast in einer ehrwürdigen Musikhalle. Das wieder aktivierte PENGUIN CAFE (ORCHESTRA), eine einzige Hommage an den Begründer SIMON JEFFES (1949-97), durch seinen Sohn ARTHUR JEFFES (*1978) mit filigranem 9-köpfigem Ensemble, die alten Klassiker mit passenden neuen Kompositionen vermischt, ein wunderbarer Ohrenschmaus. Auch lieferbar: die 4CD-Anthologie "History" 1976-93, zu 38.-

PURSON "Circle & The Blue Door" (32.-, auch Vinyl) - Meine aktuelle Lieblingsband unter den jungen Progrock-Bands, alle 5 Musiker sind um 1990 herum geboren. Sängerin Rosalie Cunningham scheint sich an Sonja Kristina (Curved Air), Jerney Kaagman (Earth & Fire), aber auch Siouxsie & The Banshees zu orientieren. Musikalisch erstaunlich ausgereift, erinnert das Soundgewand abwechselnd an Van Der Graaf, King Crimson oder Black Sabbath.

THOMAS RABENSCHLAG & MAX LÄSSER "Arr Ju Launsam Tuneit?" (32.-) - Lieder zu Gedichten von ROBERT GERNHARDT. Bereits 2002 erschien mit "Alles wird anders" eine erste CD mit genial vertontem GERNHARDT, damals mit grossem Ensemble um Max Lässer, Kaspar Rast, Björn Meyer, Michael Zisman u.a. Diesmal kultiviert MAX LÄSSER den lakonisch vorgetragenen Sprechgesang ganz alleine mit Mandoline, Lap Steel, Dobro, Baritone Gitarre - nebst dem versierten Klavier von THOMAS RABENSCHLAG, dessen Gesang unablässig an einen Klassiker von 1969 erinnert: "Ich küsse heiss den warmen Sitz" von GERHARD RÜHM aus Wien. Das Vinyl kostet heute rund 250.- Fr, wurde nie auf CD übertragen, aber "LAUNSAM TUNEIT" bekommt ihr jetzt noch für ein Trinkgeld ...

ROY & THE DEVIL'S MOTORCYCLE "Tino / Frozen Angel OST" (32.-, inkl. DVD, auch Vinyl + CD + DVD, 35.-) - Der atmosphärische Soundtrack von ROY & THE DEVIL'S, kombiniert mit beruhigenden Kamerafahrten durch Bolivien und dem Zürcher Oberland im Film über Rocker Tino auf der DVD, ist absolut hörenswert. Musikalisch an der Schnittstelle von Garagerock und Velvet Underground.

SLEAFORD MODS "Divide & Exit" (32.-) - Kurzes Statement zu SLEAFORD MODS, nach zwei Auftritten in Schaffhausen und St. Gallen Ende Mai 2014: grandios und erfrischend ! Monotonie ? Bereits ERIK SATIE mit "Vexations" oder VELVET UNDERGROUND 1966 haben uns diesbezüglich das Fürchten gelernt, diesen Vorwurf kann uns also nicht beirren. Auch nicht die beschwichtigenden Kritiker die herbeieilen und glauben kommentieren zu müssen: "Ja, aber ... " - Aber was? das Duo SLEAFORD MODS ist eine geniale Performance, mit fabelhafter Mimik und Nonchalance. Es wirkt wie locker spontan aus dem Aermel geschüttelt, aber an diesen Rollen wurde jahrelang gearbeitet. Die Musik ab Band (bzw. Labtop) überzeugt mit eingestreutem Eselsgewieher, anklopfend wachrüttelnden Bassdrum-Attacken sowie verblüffenden Musique Concrete-Elementen. Der Sänger erinnert mit seinem Charakterkopf an grosse Figuren wie Buster Keaton, Ian Dury oder Ted Milton von Blurt. Offstage sind SLEAFORD MODS die nettesten Menschen von nebenan.

SNAKEFINGER "History Of The Blues / Live In Europe" (32.-) - Dreissig Jahre nach der LP folgt erstmals die CD-Version, mit 9 Bonustracks. Lange vor dem Blues-Revival der 90er Jahre, verblüffte der geniale Gitarrist Philip Lithman (1949-87) mit einer hervorragenden Bigband, inkl. Bläsern. Schöne Edition auf dem Label Promising, mit ausführlichem Booklet. Feat. Steve Mackay (Stooges), Eric Drew Feldman (PJ Harvey, Gavin Friday, Pixies, Beefheart ua.)

ST. VINCENT "St. Vincent" (32.-, auch Vinyl) - Das fünfte Album der charismastischen Sängerin / Gitarristin (die gelungene Duoplatte mit David Byrne mitgezählt), möglicherweise war sie im Herbst 2005 in der Tourband von Sufjan Stevens mit dabei, als perfekte Menschenpyramiden mit musikalischer Choreografie unsere Sinne verzauberten. Lene Lovich, Kate Bush und Bjoerk lassen grüssen. Achtet mal auf die starke Präsenz auf Youtube, mit schrägen Frisuren, aber auch starker Gitarrenarbeit. Feat. Ralph Carney (Horns), Homer Steinweiss (Drums) usw.

zwei Bonustracks:
Die letzte Szene für dieses gelungene Portrait über PAUL WEIXLER wurde im REC REC Shop gedreht, 2003 habe ich mit BABS HIESTAND und HEINZ ROHRER sein Debutalbum "Freiwild" (vergriffen) produziert. Was seine Obsession mit "Züri Brännt" betrifft, haben wir aber inzwischen entschieden zwei verschiedene Meinungen dazu ... http://www.srf.ch/player/tv/kulturplatz/video/zueri-braennt-%E2%80%93-die-wahre-geschichte?id=8c9f850e-0e3f-4f04-843e-439e8ef58e51 (paul tanzt vor dem riesigen tim buckley-poster von 1967, welches ich mit sam mumenthaler tauschen konnte - vom buchgestell blickt auch in s/w das conterfeit von trompeter jürg grau) Maria & Veit wollten endlich auch mal, so ein verwackeltes Handyfilmchen ins Netz stellen - am 20. Juni in Oerlikon, Bühne rechts Vorne, Stehplatz.

https://www.youtube.com/watch?v=KWh-HkyeCy0

Danke & Gruss, and Keep in Touch, Veit