die andere Musik

   
Verehrte Schaulustige
Zürich, 28. September 2016

Verehrte Schaulustige ! Der Herbst schreitet voran, hier eine Auswahl an aktuellen Neuheiten, es gibt darunter auch einige Alben mit Vorab-Datum (Vö), die dann fristgerecht eintreffen werden. Noch 14 Tage ist der Rec Rec Shop offen, dann 2 Wochen Herbstferien vom 10. bis 22. Okt, wovon eine Woche an der neuen Website 2017 gearbeitet wird, die andere Woche sind wir in Hamburg und Umgebung. Demnächst folgen noch überraschende News zur Website, beachtet bitte das nächstfolgende Rundmail. +++ Ein Artist aus der Schweiz mit breitestem Oltner Dialekt, hat die letzten 15 Jahre zur Verschönerung von Europa beigetragen. Gebt in die Suchmaschine den Namen Robithedog ein, drückt auf Bilder, und die Sonne geht auf... Ihm räume ich heute den prominentesten Platz ein, sowie einem umwerfenden neuen Buch über ERIK SATIE, von einem Zürcher in Berlin. Danke für Eure bisherigen Besuche und Anrufe im Jahr 2016. Wer jetzt seine lange gehorteten Bestellaufträge oder Blitzbestellungen loswerden möchte, die Gelegenheit ist günstig !
Keep In Touch & Beste Grüsse Veit

TOMAS BÄCHLI "Ich heisse Erik Satie wie alle anderen auch" (Verbrecher Verlag, Berlin) Buch 28.- plus CD 77 Min 10.- Fr inkl. Porto Buchtaufe mit Konzert Tomas Bächli / Eva Nievergelt, Montag 17. Okt 2016 im Cabaret Voltaire Zürich 20 Uhr

"Suchen Sie, Mademoiselle. Der, der sie liebt, ist nur zwei Schritte entfernt." Erik Satie, 1914

Der Zürcher Pianist TOMAS BÄCHLI (*1958) lebt in Berlin und beglückt uns in dieser rund 90-minütigen Lektüre mit einem allumfassenden Wissen über den rätselhaften französischen Komponisten ERIK SATIE (1866-1925), der kürzlich 150 Jahre alt geworden wäre. Bächli nähert sich dem Thema von den verschiedensten Seiten und beleuchtet das Werk sowie die Person Satie mit zahlreichen vertieften Werkstudien und faszinierenden Fachgesprächen, die auch musikalische Laien anzusprechen vermögen. Interviews mit Silvia Vontobel (sozialpsychiatrische Betreuerin), Hildegard Keller (Literaturwissenschaftlerin), Eva Nievergelt (Sopranistin) oder den Komponisten Juan Allende-Blin und Roland Moser. Das Buch ist ein Konzentrat, Bächli hat sich über 35 Jahre mit Satie befasst, er verdichtet die Materie, statt sie breit auszuwalzen, wie es minder begabte Autoren handhaben würden. Besonders beglückend: die Beleuchtung des Spätwerks "Socrate" (1919, for voice and small orchestra), welches übrigens auch von Radio Osaka / Sonar-Gitarrist Stephan Thelen sehr geschätzt wird. Bloss in zwei Punkten unterscheidet sich Bächli von meiner persönlichen Auffassung. Sehr wohl hat die Verwendung von Satie in der Werbung seiner Reputation geschadet. Das überstrapazierte Klavierwerk "Gymnopédies" (1888) höre ich mir z.B. gar nicht mehr an, schon gar nicht von neuen Interpreten. Und unerklärlich ist mir Bächlis Abschwächung der fünfteiligen Kammermusik "Musique d'Ameublement" (Seite 131 ff.), deutlicher Vorläufer der Minimal Music der 1960er Jahre. Bächli nennt sie "Repetitive Pattern, die einem auf die Nerven gehen (..) Als Hintergrundmusik taugt diese Musik nicht, in einem Lokal würde sie die Gästevertreiben".. Aber trifft dies nicht auch auf das berühmtere Klavierstück "Vexations" zu, welches 840x wiederholt werden soll? Sobald wir das Werk "begriffen" haben, steht es uns frei, die Stopptaste zu drücken.. Die knapp 12-minütige Aufführung von drei Teilen der "Musique d'Ameublement", die Marius Constant 1981 mit dem Ensemble Ars Nova für Erato einspielte, gehört für mich zu den schönsten und unvergesslichsten Begegnungen mit der Musik von Erik Satie. -Fazit: An diesem Buch wird zukünftige Satie-Forschung nicht herumkommen, eine englische Übersetzung wäre begrüssenswert.

Ab Ende Okt 2016 in den Kinos: WILD PLANTS, mit unserem Zürcher Freund, Guerillagärtner, Koch und Wildpflanzensammler MAURICE MAGGI in einer der Hauptrollen. Regie: NICOLAS HUMBERT, uns sehr bekannt durch Meisterwerke wie "Step Across The Border" (90) oder "Middle Of The Moment" (95) - http://www.looknow.ch/index.asp?loadpage=1&target=/lknsodet.asp?fid=259

Eine kurze Homage an den verstorbenen Schweizer Street Artisten ROBITHEDOG STREETART ... (1974-2016) .... Mit erst 42 Jahren ist der sehr beliebte und international bekannte Streetartist Robithedog ende August 2016 gestorben, ob es ein Unfall war, ist nicht bekannt. Das Feedback auf Facebook war aber enorm. Erst am 29. Juli 2016 hatte der Künstler seine erste "Solo Exhibition" in Hamburg (im "Urban Art Space") eröffnet, er hat seine Werke verstreut und in ganz Europa platziert: Athen, Bristol, Berlin, London usw. Aber in seinem "bürgerlichen Leben" war er für mindestens fünf Jahre ein begnadeter LP/CD-Verkäufer im Aussendienst, für einen kleinen Vertrieb im Welschland. Er kannte alle Plattenläden der Schweiz und war rund 6-10x jährlich zu Gast in meinem Rec Rec-Shop. Wir lachten sehr viel und haben uns gegenseitig updated, über die neusten Dummheiten der Musikindustrie, sowie den aktuellenen Klatsch über Platzhirsche wie Ex Libris, Musik Hug an der Bahnhofstrasse (mit notorisch vertreterunfreundlicher Chefin) oder den unverschämten "Promokosten-Beteiligungs"-Forderungen diverser Schweizer Mediamarkt-Filialen. Er war ein Kenner der internationalen Sound Sampling-Szene und vermittelte 2005 dem damals 70-jährigen BRUNO SPOERRI einen Plattenvertrag mit dem renommierten UK-Label Finders Keepers Records (u.a. die Alben "Glückskugel" und "Langstrasse zwischen 12 und 12"). +++ Seine Tätigkeit als Street Artist war zwischen uns nie ein Thema, so verstand ich auch seine Grussbotschaft nicht im Januar 2014 (zum selben Zeitpunkt als sein Arbeitgeber das Handtuch werfen musste und wir dadurch den Kontakt verloren), als eine unbekannte Person eine elegante, rund 80 cm hohe Zebra-Mensch-Figur links am Eingang des Rec Rec platzierte, signiert mit "Robithedog". Wie ein desinteressierter Spiessbürger führte ich Selbstgespräche: "Was soll der Unsinn, hier brauche ich Platz für Konzertplakate!" - bis mich ein ausgewiesener Szenenkenner darauf aufmerksam machte, dieses Werk sei als Kompliment zu verstehen. Erst kürzlich fand ich posthum den Zusammenhang heraus zwischen den zwei Personen. Dino war gleichzeitig ein genialer, kommunikativer, witzig subversiver und gemütlicher Zeitgenosse. Sein bester Freund Linus schrieb ihm hinterher "Keiner auf dieser Welt hat mich so zum Lachen bringen können wie Du. Keiner ... " und BRUNO SPOERRI bedankte sich mit den Worten: "Rest in peace Dino - you recommended me to Finders Keepers Records - I will be grateful for ever."
Veit F.Stauffer, 20. September 2016