Conny Plank
The Potential of Noise (DVD)
Popular
Absolut sehenswerter Film von RETO CADUFF (*1967, Produzent von Touch El Arab, 1988 u.a.), mit viel Schwung und Eleganz.
Eine Spurensuche über den stilbildenden Produzenten und Toningenieur CONNY PLANK (1940-87), basierend auf gemeinsamen Recherchen mit STEPHAN PLANK, dem heute 42-jährigen Sohn von Conny und Christa. Der zum Studio umgebaute Bauernhof auf dem Land, in Wolperath bei Köln war legendär: dort hat Stephan als kleiner Junge all diese Musiker/innen kennengelernt. Es begann mit Kraftwerk, Harmonia und Neu, für diese Szene spricht Michael Rother. Die Scorpions nahmen mit Plank in Hamburg ihr Debüt auf, und geben darüber Auskunft. Eno fand keine Zeit in seiner Terminplanung, Ralf Hütter von Kraftwerk hingegen hat ganz abgesagt.
Dafür treffen wir auf Roedelius, der mit Moebius und Eno ab 1977 bei Plank aufgenommen hat. Dazwischen sehen wir immer wieder zahlreiche authentische Filmdokumente aus der Zeit, oft Super-8 oder Video, die ein angenehm spannendes Kolorit der 70er und 80er zeichnen. Dann gelingt Plank musikalisch auch mühelos der Sprung in die 80er Jahre. Das erste Album von Daf, Robert Görl gibt Auskunft, dazu kommt Mute-Produzent Daniel Miller aus London mit köstlichen Anekdoten. Es geht weiter mit Karl Hyde (Underworld), Jaz Coleman (Killing Joke), David Stewart (Eurhymics) bis hin zu Devo und Ultravox.
Eine unglaublich reichhaltige Palette, deshalb bleibt Plank bis zum Schluss des Filmes interessant. Conny Plank betrieb Raubbau mit seinen Kräften, ein klassischer Workaholic, und starb bereits mit 47 Jahren (wie übrigens auch Charles Baudelaire, Rio Reiser und Oscar Wilde). Dann treffen wir auf Holger Czukay (Can), Gianna Nannini, Carmen Knoebel und Annette Humpe. Später dann auch Ideal und Rita Mitsouko, oder das Rap-Duo Whodini. Sehr schön eingefangen mit der Kamera, die Reise nach Los Angeles! - Und als wir uns fragen: über Christa Plank (1942-2006) erfahren wir nichts? - fokusiert sich der Film umgehend auf diese zwischenmenschliche Ebene.
Ein gelungener Film, nicht nur für Musikfreaks, die zahlreiche Querverbindungen aufgedeckt bekommen. Anregend, inspirierend - und überdies ein ästhetischer Hochgenuss.
Veit F. Stauffer, Oktober 2017